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Der KI-Marktschreier: Warum mich der lauteste KI-Typ auf LinkedIn blockiert hat

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Drei Monate hab ich weggeschaut. Dann hab ich mir seine Behauptungen einzeln vorgenommen, mit Belegen in den Kommentaren widerlegt, und eine Woche später war ich blockiert. Nicht widerlegt, blockiert.

Wer im KI-Influencer-Geschäft laut genug ist, muss nie mehr recht haben, er muss nur lauter bleiben als der Widerspruch. Nach diesem Artikel weißt du, woran du diesen Typus erkennst, warum sein Marketing trotzdem funktioniert, und warum ich mir das Ganze auf TikTok gleich noch einmal antue. Fangen wir bei der Figur an, die dir wahrscheinlich auch schon begegnet ist.

Zwei Begriffe, die du für diesen Text brauchst

Zwei Dinge tauchen gleich mehrfach auf, deshalb kurz vorweg. KI-Washing bezeichnet das Übertreiben oder Erfinden von KI-Kompetenz, um modern zu wirken, ich hab das Phänomen ausführlich am Beispiel des KI-Posers beschrieben. Und AI Slop, das Wort des Jahres 2025 laut Merriam-Webster, meint massenproduzierte, ungeprüfte KI-Inhalte, die ich in einem eigenen Artikel seziert habe. Beides brauchst du gleich, um die Figur zu verstehen, um die es hier geht.

Wer ist dieser Typ eigentlich?

Du kennst ihn, auch wenn du ihn noch nie bewusst wahrgenommen hast. Er ist Mitte vierzig, trägt das Hemd einen Knopf zu weit offen, und sein Profilbild ist so scharf gerendert, dass man die Hautporen zählen könnte, wenn er welche hätte. Er steht nicht, er posiert im Stehen, ein Arm ausgestreckt, als würde er gerade der Menschheit die Zukunft erklären. Seine Stimme in den Videos hat immer diesen einen Modus: laut, dringlich, so, als würde er dir in letzter Sekunde vor einem Zug zurufen, obwohl er dir nur erzählt, dass GPT jetzt „alles verändert“. Er schreit nicht, weil er wütend ist. Er schreit, weil Lautstärke sein Geschäftsmodell ist.

Auf LinkedIn läuft er dir mehrmals täglich über den Weg, auf Insta genauso, auf TikTok sowieso. Der Algorithmus liebt ihn, weil er verlässlich liefert: steile Thesen, große Gesten, null Redezeit für Zweifel. Ich hab mich mit ihm länger beschäftigt, als mir lieb ist, und ein Chrome-Plugin namens Slopometer, das den Anteil KI-generierter Sprache in LinkedIn-Posts einschätzt, springt bei seinen Texten regelmäßig auf Rot. Nicht bei jedem Post, das wäre unfair zu behaupten, aber regelmäßig genug, dass es kein Zufall mehr ist. Verpackt ist das trotzdem gut. Sein Marketing läuft, teils automatisiert, mit einer Konsequenz, die man fast bewundern müsste, wäre der Inhalt dahinter nicht so dünn.

Wer widerspricht, wird blockiert, nicht widerlegt. Das ist der Satz, um den sich der ganze Rest dieses Textes dreht, also merk ihn dir kurz, bevor wir zu den Details kommen.

Wie funktioniert sein Marketing eigentlich?

Bevor ich zur eigentlichen Geschichte komm, kurz zur Maschine dahinter, weil die für das Verständnis wichtig ist. Sein Content läuft, zumindest teilweise, automatisiert. Das erkennst du an der Taktung, mehrere Posts täglich, zur gleichen Uhrzeit, im gleichen Rhythmus, mit demselben Aufbau: steile Behauptung im ersten Satz, drei kurze Absätze, eine rhetorische Frage am Ende, die niemand wirklich beantworten soll. Dazu passende Kommentare, die verdächtig gleichmäßig innerhalb der ersten Minuten eintrudeln, oft von Accounts, die selbst kaum eigenen Content haben.

Das ist per se nicht verboten, und Automatisierung in der Content-Produktion ist auch nicht das eigentliche Problem, das leg ich in meiner Beratung selbst regelmäßig Kunden ans Herz. Das Problem ist, was automatisiert wird. Bei ihm ist es nicht die Struktur, sondern der Inhalt selbst, der am Fließband entsteht, ungeprüft, unbelegt, aber mit maximaler Selbstsicherheit vorgetragen. Genau diese Selbstsicherheit ist der Trick. Ein Mensch, der zweifelt, wirkt im Feed schwach. Ein Mensch, der schreit, wirkt kompetent, obwohl beides über den Inhalt gar nichts aussagt.

Was hab ich eigentlich gemacht?

Nach den drei Monaten Wegschauen hab ich mir seine öffentlichen Behauptungen einzeln vorgenommen. Nicht aus Langeweile, sondern weil mir in meiner Beratungsarbeit mit EPU und KMU in der DACH-Region immer wieder Kunden begegnen, die genau seine Thesen zitieren, als wären sie Fakten. Ein Teil dessen, was er behauptet, stimmt sogar, das will ich nicht unterschlagen. Aber ein extrem großer Teil war schlicht falsch, teils veraltet, teils frei erfunden, teils so verzerrt, dass die eigentliche Aussage nicht mehr wiederzuerkennen war.

Also hab ich in den Kommentaren angesetzt. Konkret, mit Quellen, mit Zahlen, ohne Häme, aber ohne Umschweife. Keine plumpe Rechthaberei, sondern das, was in meiner Arbeit ohnehin Alltag ist: Behauptung, Beleg, fertig. Eine Woche lang ist nichts passiert, außer dass Leute aus der Branche, echte Experten, die ich teils seit Jahren kenne, meine Kommentare bestätigt haben. Ich hab in dieser Woche mehr fachlichen Zuspruch bekommen als in manchem Monat davor. Und dann, heute, hat er zugeschlagen. Nicht mit einer Antwort. Mit einem Klick auf Blockieren.

Ich kann damit gut leben, das ist keine Koketterie. Aber es ist eben auch kein Zufall, sondern ziemlich typisch für diese Sorte KI-Marktschreier.

Ein Beispiel, ohne dass ich hier ins Detail seiner konkreten Behauptungen geh, denn darum soll es in diesem Text nicht gehen. Er hatte in einem Video ein bestimmtes Modell beschrieben, das angeblich eine Fähigkeit besitzt, die es zum Zeitpunkt des Postings schlicht nicht gab. Kein Nischenwissen, keine Spitzfindigkeit, sondern etwas, das jeder mit fünf Minuten Recherche hätte prüfen können. Genau das hab ich in den Kommentaren getan, mit Link zur offiziellen Dokumentation, mit Datum, ohne ein einziges böses Wort. Sowas kann jedem passieren, auch mir, das schreib ich hier nicht als Vorwurf. Der Unterschied liegt darin, wie jemand mit dem Hinweis umgeht. Ich hätte eine Korrektur erwartet, vielleicht sogar ein Danke. Bekommen hab ich Stille, dann den Block.

Warum hat er mich blockiert, statt zu antworten?

Weil Antworten ein Risiko ist, das er sich nicht leisten kann. Der Poser, über den ich früher schon geschrieben hab, verkauft eine Pose. Der Marktschreier verkauft Lautstärke. Beide haben eines gemeinsam: Sobald jemand konkret nachfragt, wo genau der Workflow hängt, welche Zahl woher kommt, welches Modell wann welches Ergebnis liefert, bricht die Fassade in sich zusammen. Nicht weil die Person dumm wäre, sondern weil hinter der Bühne oft schlicht nichts steht, das eine Nachfrage aushält.

Ist das Zufall, dass ausgerechnet die Lautesten am wenigsten Substanz zeigen? Teilweise. Aber der Teil, der kein Zufall ist, wird meiner Meinung nach unterschätzt: Lautstärke und Kompetenz korrelieren auf Social Media fast nie, weil beides um dieselbe Ressource konkurriert, nämlich Zeit. Wer wirklich tief in einem Thema steckt, verbringt seine Zeit mit dem Thema, nicht mit der Inszenierung davon. Ich beobachte das ständig in meiner Beratung, zuletzt bei einem Großhändler aus meiner Heimatstadt, die mir ein Video von genau so einem Marktschreier zeigte und fragte, ob sie jetzt auch sofort fünf KI-Agenten einführen müsse. Musste er nicht. Er brauchte zuerst einen sauberen Prozess für ihre Rechnungsablage, das war der eigentliche Hebel.

Blockieren ist in diesem Modell keine Schwäche, sondern Strategie. Wer widerspricht, verschwindet aus dem Sichtfeld der eigenen Community, und die verbleibenden Follower sehen nur noch Zustimmung. Das Publikum merkt die Lücke selten, weil es die Diskussion, die vorher stattgefunden hat, gar nicht mehr sieht. Ein geschlossener Kreislauf, in dem der Marktschreier sich selbst bestätigt, während er den einzigen Einwand aus dem Feed entfernt.

Was macht das eigentlich mit den Leuten, die ihm folgen?

Genau hier wird es aus meiner Sicht relevant, und nicht nur als kuriose Anekdote über einen blockierten LinkedIn-Account. Ich hab in einem früheren Artikel beschrieben, was passiert, wenn Content-Strategien auf Slop statt auf Substanz gebaut werden, und genau das erlebe ich bei den Followern solcher Marktschreier hautnah. Menschen, die unsicher sind, ob ihre eigene KI-Nutzung „reicht“, orientieren sich an dem, was im Feed am lautesten wirkt. Und das Lauteste ist fast nie das Richtigste.

Das Perfide daran: Diese Follower sind nicht dumm, sie sind bloß überfordert von der Geschwindigkeit, mit der sich das Thema entwickelt. Sie hören eine steile These, sie haben keine Zeit, sie selbst zu prüfen, und sie vertrauen der Reichweite als Gütesiegel. Genau dieses Muster nutzen auch die sogenannten Promptfluencer aus, über die ich an anderer Stelle geschrieben hab, Menschen, die dir fertige Prompts wie Wundermittel verkaufen, statt dir zu zeigen, wie du selbst denkst. Der Marktschreier und der Promptfluencer sind oft dieselbe Person, nur mit unterschiedlicher Bühnenpräsenz.

Was das konkret bedeutet: Ein Unternehmer, der seine KI-Strategie an einem lauten Account ausrichtet statt an der eigenen Ausgangslage, verliert nicht nur Zeit. Er verliert Vertrauen bei den eigenen Kunden, sobald die vollmundigen Versprechen nicht halten. Ich seh das bei kleinen Betrieben ständig, und es ist eh nie die Technologie selbst, die das Problem ist, sondern die Erwartung, die jemand anderes künstlich hochgeschraubt hat.

Und dann ist da noch der zweite Effekt, der mich fast mehr stört als der erste. Manche dieser Marktschreier drängen ihr Publikum aktiv dazu, ihnen zu vertrauen und andere Stimmen zu ignorieren, mit Sätzen wie „lass dir von den Bedenkenträgern nicht die Zukunft kaputt reden, buche meine Webinare! Ab € 49,00 bist du dabei!“. Das klingt nach Aufbruchsstimmung, ist aber im Kern nichts anderes als eine Immunisierung gegen Kritik, bevor sie überhaupt geäußert wird. Wer schon vorab gelernt hat, jeden Einwand als Bedenkenträgerei abzutun, prüft später auch meine Kommentare nicht mehr, egal wie viele Belege ich dazuschreib. Das ist der eigentliche Schaden, nicht der einzelne Irrtum in einem Video, sondern die trainierte Reflexion, gar nicht mehr nachzufragen.

Und jetzt? Ich mach auf TikTok weiter

Er ist keine Konkurrenz für mich, das will ich klarstellen, bevor das falsch ankommt. Er ist einfach nur lästig, und er verbreitet, nicht ausschließlich, aber eben auch, ziemlich viel Unsinn, gut verpackt, aber falsch. Konkurrenz wäre jemand, der bessere Arbeit macht. Das hier ist etwas anderes.

Deshalb mach ich jetzt auf TikTok weiter, an genau der Stelle, wo mich LinkedIn abgeschnitten hat. Mal schauen, wie lange es dort dauert, bis derselbe Mechanismus greift. Und falls er mich auch dort blockiert, geht es auf Instagram weiter. Nicht aus Sturheit um der Sturheit willen, sondern weil ich in über dreißig Jahren Kommunikationsbranche eine Sache gelernt hab, die sich nie geändert hat: Nicht der Lauteste hat recht. Recht hat, wer auf die richtigen Fragen die echten Antworten liefert, auch wenn das leiser klingt als ein Marktschreier auf einer virtuellen Rooftop-Bühne.

Eine Warnung, bevor du dem nächsten Marktschreier auf den Leim gehst

Ich will das nicht bei der einen Anekdote belassen, weil das Muster größer ist als dieser eine Account, und weil es dich als EPU oder KMU direkt betreffen kann, wenn du gerade selbst überlegst, wie viel KI in deinem Betrieb Platz haben soll. Deshalb hier konkret, worauf du achten solltest, bevor du der nächsten lauten Stimme in deinem Feed dein Vertrauen schenkst.

Erstens, prüf die Zeitachse. Ein echter Praktiker hat gute und schlechte Wochen, mal ein Erfolgserlebnis, mal einen Bug, den er offen zugibt. Ein Marktschreier hat nur Erfolge, jeden Tag, ohne Ausnahme, ohne einen einzigen Rückschlag, der es je in den Feed schafft. Das ist keine Serie glücklicher Zufälle, das ist Dramaturgie. Echte Arbeit hat Reibung, und wer nie Reibung zeigt, hat entweder nie gearbeitet oder zeigt dir bewusst nur die polierte Hälfte.

Zweitens, prüf, ob die Person eine konkrete Zahl nennt, die sich falsifizieren lässt. Nicht „spart massiv Zeit“, sondern „ich hab dafür vorher drei Stunden gebraucht, jetzt vierzig Minuten, hier ist der Screenshot der Zeiterfassung“. Der Marktschreier bleibt fast immer im Ungefähren, weil das Ungefähre nie widerlegt werden kann. Eine konkrete Zahl schon, und genau davor haben diese Accounts am meisten Angst.

Drittens, und das ist mir persönlich am wichtigsten: Beobachte, wie jemand mit Kritik umgeht, bevor du selbst kritisierst, nicht erst danach. Scroll ein paar Kommentarspalten zurück. Antwortet die Person auf unbequeme Nachfragen inhaltlich, oder löscht sie, ignoriert sie, oder blockiert sie? Ein einziger gelöschter kritischer Kommentar ist noch kein Beweis. Ein Muster aus gelöschten, ignorierten oder blockierten Kritikern hingegen schon, und dieses Muster findest du oft schneller, als du denkst, wenn du einmal gezielt danach schaust.

Viertens, gib acht auf Sätze, die dich vorab gegen jede spätere Kritik immunisieren sollen. „Lass dir von den Bedenkenträgern nichts einreden“, „die anderen haben es einfach nicht verstanden“, „wer zweifelt, hat Angst vor der Zukunft“. Solche Sätze klingen nach Motivation, sind aber ein Frühwarnsystem in die falsche Richtung. Sie bereiten dich nicht auf die Zukunft vor, sie bereiten dich darauf vor, später keinem Widerspruch mehr zuzuhören, auch nicht dem berechtigten.

Und fünftens, und das ist eh der einfachste Test von allen: Frag in den Kommentaren einfach konkret nach. Nach dem Tool, nach den Kosten, nach dem letzten Fehler, den die Person hatte. Ein Praktiker antwortet, mit Details, oft mit Freude, weil er sein Handwerk gern erklärt. Ein Marktschreier weicht aus, wechselt das Thema, oder schweigt. Genau dieses Schweigen, das ich selbst erlebt hab, ist am Ende aussagekräftiger als jede seiner lautstarken Behauptungen.

Ich schreib das nicht, um dich misstrauisch gegenüber jedem zu machen, der auf Social Media über KI spricht. Es gibt viele gute, ehrliche Stimmen dort, manche davon zähl ich zu meinen Kollegen. Ich schreib das, weil der Unterschied zwischen den beiden Gruppen sich mit ein paar gezielten Fragen fast immer sofort zeigt, und weil ich zu oft erlebe, wie kleine Unternehmen echtes Geld und echte Zeit in Strategien stecken, die auf nichts als einer lauten Stimme beruhen.

Ich blockier niemanden, außer ich werde mit Marketing-DMs zugespammt. Ich schreib einfach weiter, auf jeder Plattform, auf der er glaubt, mich loszuwerden.

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about.me
Alex Januschewsky – Zertifizierter KI-Beauftragter und Werbefachmann
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky ist Werbefachmann, zertifizierter KI-Beauftragter (ISO 42001, EU AI Act-Konformität) und Microsoft MVP Alumni. Seit 1989 in Werbung und Design aktiv, spezialisiert auf den professionellen Einsatz von Generativer KI: kreativ, strategisch, praxisnah. Seit über 30 Jahren entwickle ich Kommunikation, die nicht auf Hype setzt, sondern auf echte Wirkung. Klar, klug und mit einem tiefen Verständnis für Technologie und Sprache. In diesem Blog teile ich Ideen, Impulse und erprobtes Wissen für Unternehmer, Entscheider und KI-Enthusiasten, die mehr wollen als Schlagwörter und bunte Versprechen.

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Alex Januschewsky, Prompt Rocker, wohnhaft in Salzburg, tätig in Österreich
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