Am 21. Oktober waren auffallend viele Webseiten nicht erreichbar. Wer seinen Online-Shop, den Vereinsauftritt odAm 21. Oktober waren in Österreich, Deutschland und der Schweiz auffallend viele Webseiten nicht erreichbar. Wer seinen Online-Shop, den Vereinsauftritt oder die Firmenseite aufrufen wollte, sah eine Fehlermeldung oder eine leere Seite. Auch bei mir waren Webseiten bei mehreren Hostern offline, und es hat praktisch alle Anbieter getroffen. Der Grund war eine Sicherheitslücke namens PHP2Shell. Gefunden hat sie nach allem, was bisher bekannt ist, eine künstliche Intelligenz, und zwar bevor Angreifer sie in großem Stil nutzen konnten. Ich erkläre dir hier, was passiert ist und warum ich das für ein starkes Argument für KI halte.
Für mich steht fest: PHP2Shell sind zwei kritische Fehler im Kern der Programmiersprache PHP, die über ein Jahrzehnt unentdeckt blieben. KI-Modelle haben sie gefunden, und binnen eines Tages nach der öffentlichen Warnung stand ein Patch bereit.
Ich schreibe seit Jahren über generative KI und betreibe selbst mehrere Webseiten, die Ausfälle habe ich also am eigenen Leib gespürt.
- PHP
- Eine Programmiersprache, die im Hintergrund vieler Webseiten läuft. Du siehst sie nie, sie erzeugt aber die Seiten, die dein Browser anzeigt.
- Remote Code Execution (RCE)
- Ein Angreifer kann auf einem fremden Server eigene Befehle ausführen, ohne physisch dort zu sein.
- CVE
- Eine fortlaufende Nummer, unter der jede bekannte Sicherheitslücke weltweit geführt wird.
- Patch
- Das Update, das die Lücke schließt.
- Exploit
- Ein Werkzeug, das eine Lücke tatsächlich ausnutzt.
Was ist am 21. Oktober passiert?
Die PHP-Entwickler haben am Abend des 20. Oktober eine Warnung herausgegeben. Kurz darauf waren die Details der Fehler öffentlich, noch bevor der geplante Patch fertig war. Am Mittwoch war die Lücke laut ORF allgemein bekannt. Am Nachmittag des 21. Oktober um 16 Uhr deutscher Zeit erschienen die Updates PHP 8.5.12, 8.4.27, 8.3.36 und 8.2.35.
In dieser Zeitspanne haben viele Hoster ihre Server vorsorglich vom Netz genommen oder PHP-Funktionen abgeschaltet. Abgeschaltet wurde auch bei der Charité und der Stadt Mainz. Das war keine Panikreaktion, sondern eine nüchterne Risikoabwägung: Eine offline gestellte Seite ist ärgerlich, eine übernommene Seite kann teuer werden.
Warum ist die Lücke so gefährlich?
Zwei Gründe machen PHP2Shell zu einem Problem von Weltformat.
Erstens die Verbreitung. Laut W3Techs läuft PHP auf rund 70 Prozent aller Webseiten, bei denen die Programmiersprache bekannt ist. In der Berichterstattung ist oft von 70 Prozent des Internets die Rede. Genau genommen ist es der Anteil unter den Seiten, deren Technik sich auslesen lässt, aber die Größenordnung stimmt.
Zweitens die Wirkung. Als CVE sind die Fehler unter CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619 erfasst und erreichen mit 9,2 von 10 Punkten (CVSS) fast die Höchstwertung. Ein Angreifer braucht kein Passwort und keinen Zugang. Er schickt Anfragen an den Server und kann im schlimmsten Fall eigenen Code ausführen.
Ein Detail ist für Betreiber wichtig: Die Lücke steckt im PHP-Kern, nicht im WordPress, in Plugins oder im Shop-System. Ein Update deiner Seite allein hilft deshalb nicht. Es muss die PHP-Version auf dem Server aktualisiert werden, und das macht in der Regel der Hoster. Wer auf einer längst abgekündigten PHP-Version sitzt, bekommt vom PHP-Team keinen Patch mehr.
Wer hat die Lücke gefunden?
Das Sicherheitsunternehmen Calif hat die Fehler mithilfe von OpenAIs Modell GPT-5.6 Sol aufgespürt. Das passierte im Rahmen von „Patch the Planet“, einem Programm, das OpenAI im Juni gemeinsam mit Trail of Bits, HackerOne und Calif gestartet hat. Unabhängig davon kam auch das Unternehmen Wiz mit KI-Werkzeugen auf dieselben Fehler.
Das Besondere: Die Fehler sind mehr als zehn Jahre alt. OpenAI-Mitgründer Greg Brockman nennt 14 Jahre, das ist seine Angabe. In dieser Zeit wurde der PHP-Code unzählige Male gelesen, getestet und erweitert. Die Tragweite hat trotzdem niemand erkannt.
Ich möchte hier ehrlich bleiben: Bei der Art von Fehler, um die es geht, handelt es sich um eine bekannte Fehlerklasse im Speichermanagement. Das Prinzip kennen Fachleute seit Langem. Dass ein Frontier Model die Verkettung mehrerer Schwächen zu einem funktionierenden Angriff durchdenken konnte, ist der eigentliche Fortschritt. Nach Angaben des Branchenportals forkast hat Calif schon wenige Tage nach Beginn der Prüfung den ersten gravierenden Fehler gefunden. Wiz sagt, KI habe verändert, wie schnell sich Schwachstellen verstehen und in einen funktionierenden Angriff umsetzen lassen.
Warum das ein klarer Gewinn durch KI ist
Stell dir ein Haus mit tausend Türen vor. Eine schließt seit über zehn Jahren nicht richtig, und alle sind daran vorbeigegangen. Dann kommt jemand, der in kurzer Zeit jede Tür prüft, samt den verwinkelten Kombinationen aus Tür, Fenster und Kellerabgang. Das leisten diese Modelle.
Drei Dinge halte ich für belegt und bemerkenswert:
- KI fand, was Menschen übersehen hatten. Zwei voneinander unabhängige Teams, Calif und Wiz, sind mit KI-Unterstützung auf dieselben Fehler gestoßen.
- Es gab Vorlauf. Rund zwei Monate lief die abgestimmte Zusammenarbeit mit dem PHP-Team, bevor die Sache öffentlich wurde.
- Der Patch kam schnell. Zwischen der öffentlichen Warnung und den fertigen Updates lag ungefähr ein Tag.
OpenAI spricht von einem „Defender’s Window“, einem Zeitfenster, in dem die Verteidiger vor den Angreifern liegen. Das ist die Selbstdarstellung des Unternehmens, und OpenAI hat ein Interesse daran. Mein Hausverstand sagt trotzdem: Hätte ein Angreifer die Lücke zuerst gefunden, wäre sie womöglich still ausgenutzt worden, ohne dass je ein Hoster eine Seite vorsorglich abgeschaltet hätte. Wir hätten es erst gemerkt, als es zu spät war.
Das Thema begleitet mich schon länger. In meinem Beitrag zum KI-Modell, das du nie verwenden wirst, das aber dein digitales Leben schützt habe ich beschrieben, wie solche Modelle im Hintergrund nach Schwachstellen suchen. Der 21. Oktober ist dafür das bisher sichtbarste Beispiel in Mitteleuropa.
Wo es wehtut: Die Angreifer haben dieselben Werkzeuge
Die Zeit zwischen Warnung und Patch war knapp. Nach dem Bekanntwerden tauchte ein Exploit namens „PHP2Shell“ auf, das die Firma watchTowr als echt bestätigt hat. Nach der Freigabe des Patches gab es erste Angriffe, und Beweisprogramme kursierten öffentlich.
Dazu kommt ein Engpass auf der anderen Seite. Brockman sagt, dass die Betreuer von Open-Source-Projekten dem Tempo der KI beim Fehlerfinden kaum folgen können. Wenn Maschinen schneller Lücken entdecken, als Menschen sie schließen, braucht es mehr Menschen, bessere Prozesse oder ebenfalls KI beim Beheben. Das ist ein lösbares Problem, aber es ist da.
Ich halte das für den stärksten Grund, KI auf der Verteidigerseite konsequent einzusetzen. Ein Verzicht würde die Angreifer nicht bremsen, er würde nur uns schwächen.
Was du jetzt tun kannst
- Frag deinen Hoster, ob PHP aktualisiert wurde. Die sicheren Versionen sind 8.5.12, 8.4.27, 8.3.36 und 8.2.35 oder neuer. Im Hosting-Panel steht meist unter „PHP-Version“ oder „PHP-Einstellungen“, was läuft.
- Prüf deine PHP-Version. Ältere, abgekündigte Versionen bekommen keinen offiziellen Patch. Dann ist ein Umstieg auf eine unterstützte Version fällig.
- Mach ein Backup, bevor du etwas umstellst. Ein Backup, das auf demselben Server liegt, zählt nicht.
- Aktiviere die Zwei-Faktor-Anmeldung für Hosting, E-Mail und Webseiten-Login. Das schützt auch dann, wenn etwas anderes schiefgeht.
- Halte WordPress, Plugins und Themes aktuell. Gegen PHP2Shell hilft das nicht, gegen die vielen anderen Lücken schon. Wie ich selbst Fehler auf WordPress-Seiten mit KI aufspüre, zeige ich im Beitrag WordPress-Fehler finden mit WPVibe und Claude.
Notbehelfe wie das Abschalten einzelner PHP-Funktionen sind laut PHP-Team und heise nur eine vorübergehende Krücke.
Häufige Fragen
Mein Schluss daraus
Ein Fehler, an dem über ein Jahrzehnt niemand die Tragweite erkannt hat, ist binnen Monaten aufgespürt, abgestimmt gemeldet und gepatcht worden. Dass dabei Hoster Server abschalten mussten, ist unbequem, aber es war die kleinere Variante der Geschichte. Ich nehme aus dem 21. Oktober mit, dass KI in der Sicherheit ein Werkzeug ist, das wir brauchen. Ruf heute noch deinen Hoster an oder öffne sein Panel und schau nach, welche PHP-Version bei dir läuft.






