Um sechs Uhr früh hab ich Claude gefragt, ob ich einen eigenen Alexa-Skill für meinen Blog bauen kann. Kurz vor acht lag die Mail von Amazon im Postfach: Zertifizierung bestanden, der Skill geht in den Store. Seither liest Alexa die neuesten Beiträge von digitalhandwerk vor, als Teil der täglichen Zusammenfassung.
Ein Alexa-Skill für den eigenen Blog ist heute keine Programmieraufgabe mehr. Die eigentliche Arbeit steckt darin, Text fürs Ohr statt fürs Auge aufzubereiten. Nach diesem Artikel weißt du, wie der Weg zum eigenen Skill aussieht, wo ich hängen geblieben bin und warum der Standard-Feed von WordPress dafür nicht reicht. Ich arbeite seit 1989 in der Kommunikationsbranche, und trotzdem ist mir manches erst beim Hinhören aufgefallen. Der größte Stolperstein lag in einem Plugin, das ich nie verdächtigt hätte.
Ein Alexa-Skill für den eigenen Blog ist in ein paar Stunden gebaut. Was Zeit braucht, ist der Text: Ein Blog ist fürs Auge geschrieben, Alexa spricht fürs Ohr.
- Flash Briefing
- ein Skill-Typ, bei dem Alexa Inhalte aus einem RSS- oder JSON-Feed vorliest, ohne dass du ein Dialogmodell programmierst. Im deutschen Skill Store heißt das „Tägliche Zusammenfassung“.
- Endpoint
- eine Adresse auf deinem Server, die Daten maschinenlesbar ausliefert, hier im JSON-Format.
- Excerpt
- die Kurzfassung eines WordPress-Beitrags, die in Übersichten, Feeds und Suchergebnissen auftaucht.
Wie entsteht ein Alexa-Skill für den eigenen Blog?
Unspektakulär. In der Alexa Developer Console legst du einen Skill an, wählst die Vorlage für die tägliche Zusammenfassung und füllst ein Formular aus: eine Ansage, die mit „Von“ oder „Aus“ beginnen muss, einen Namen, die Adresse deines Feeds und ein Icon mit 512 mal 512 Pixeln. Programmiert wird dabei nichts. Für digitalhandwerk hab ich zuerst einfach den normalen WordPress-Feed eingetragen.
Spannender war das Testen. Claude hat mir anfangs eine Anleitung für die alte Alexa-App gegeben. Auf meinem Echo Show 11 mit Alexa+ gab es die beschriebenen Menüs schlicht nicht mehr. Ich hab den Skill dann direkt zur Zertifizierung eingereicht, und Amazon hat ihn innerhalb weniger Stunden freigegeben. Das ging schneller als die Suche nach dem richtigen Testmenü.
Dabei ist mir ein Detail durchgerutscht, das ich erst auf der fertigen Store-Seite gesehen hab: Amazon zeigt dort automatisch den Sprachbefehl „Alexa, spiel meine tägliche Zusammenfassung“. In meiner Beschreibung stand „Alexa, spiel mein Flash Briefing“. Für deutsche Nutzerinnen und Nutzer ist das der falsche Begriff. Korrigiert ist das schnell, aber jede Änderung an der Beschreibung bedeutet eine neue Zertifizierung.
Vor gar nicht langer Zeit hab ich darüber geschrieben, warum Siri, Alexa und Co. dümmer sind als dein Toaster. Mit Alexa+ hat sich da einiges getan. Ob Amazon die tägliche Zusammenfassung dort langfristig weiterpflegt, weiß ich nicht. Mein Eindruck ist, dass sie läuft, aber nicht mehr im Mittelpunkt steht. Abgespielt hat Alexa+ meinen Feed jedenfalls problemlos. Allerdings: Die Sprachbefehle funktionieren nicht immer zuverlässig! Einmal funktioniert „Alexa, spiel mir mein Briefing.“ beim nächsten Versuch geht „Alexa, spiel meine tägliche Zusammenfassung.“. Aber das ist ein Problem, das ich nicht lösen kann.
Warum stand plötzlich Englisch in meinem Feed?
Beim ersten Durchlesen des Feeds stand unter jedem Beitrag „Read more at digitalhandwerk“. Auf Englisch, auf einem deutschsprachigen Blog. Eingestellt hatte ich das nirgends.
Gefunden hat die Ursache Claude, über die Verbindung, die ich mit WPVibe zwischen Claude und WordPress eingerichtet hab. Theme, WPCode-Snippets und Datenbank waren sauber. Der Satz steckt fest im Code des SEO-Plugins SureRank, in der Datei für den Feed. Eine Einstellung dafür gibt es nicht, und die deutsche Übersetzung fehlt.
Die Lösung war ein kleines Snippet, das genau diesen einen Satz übersetzt. Seither steht dort „Weiterlesen auf digitalhandwerk“. Ganz entfernen wollte ich den Satz nicht. Er hat einen Zweck: Wer meinen Feed kopiert und anderswo veröffentlicht, nimmt den Link zu mir mit.
Hier ist, was ich daraus mitnehme: Plugins schreiben in deinen Feed, ohne dich zu fragen. Wer seinen Feed nie selbst liest, merkt das nie.
Warum reicht der normale WordPress-Feed nicht?
Der erste Hörtest auf dem Echo Show war ernüchternd. Alexa hat pro Beitrag gerade einmal ein bis zwei Sätze vorgelesen, weil sie aus dem RSS-Feed nur die Kurzfassung nimmt, also den Excerpt. Nach rund zehn Sekunden war jeder Beitrag vorbei.
Den Excerpt einfach länger zu schreiben, wäre der falsche Weg gewesen. SureRank verwendet ihn bei mir als Meta Description, und die soll kurz bleiben. Die Kurzfassung für Google und der Sprechtext für Alexa sind zwei verschiedene Texte.
Deshalb hat Claude einen eigenen Endpoint gebaut, der parallel zum normalen Feed läuft. Er liefert die fünf neuesten Beiträge im JSON-Format und nimmt als Sprechtext die Einleitung bis zur ersten Zwischenüberschrift. Das sind jetzt 50 bis 65 Sekunden pro Beitrag statt zehn. Die Vorgaben dafür stehen in der Feed-Referenz für Flash Briefing Skills von Amazon: höchstens fünf Einträge, reiner Text ohne HTML, unter 4.500 Zeichen pro Eintrag, und was älter als sieben Tage ist, ignoriert Alexa.
Was ändert sich, wenn Text fürs Ohr statt fürs Auge ist?
Das ist der Punkt, an dem es interessant wird. Technisch war der neue Feed sofort sauber. Beim Durchlesen mit Alexa-Ohren sind aber vier Dinge aufgefallen, die im Blog niemanden stören.
Erstens enden meine Einleitungen oft mit einer Überleitung zum nächsten Abschnitt. Im Blog funktioniert das. Bei Alexa folgt danach nichts, und der Satz hängt in der Luft. Zweitens steht in vielen Einleitungen ein Satz über meine Erfahrung. Einmal gelesen ist das sinnvoll, fünfmal hintereinander im Briefing klingt es nach Endlosschleife.
Drittens die Ich-Perspektive. Wenn die Alexa-Stimme sagt „Ich arbeite seit Jahren täglich mit KI“, klingt das, als spräche Alexa über sich selbst. Jetzt steht vor jedem Beitrag „Alex schreibt:“. Viertens die Aussprache: „S12.at“ wird zu „S zwölf Punkt at“, aus „C64“ wird „C vierundsechzig“.
Neu ist mir das nicht. Bei meinem Webradio hab ich gelernt, warum ein Sprachmodell keine Zahlen für die Sprachausgabe ausschreiben sollte. Auch beim Alexa-Skill macht deshalb normaler Code die Aufbereitung, kein Sprachmodell. Das ist berechenbar, und es erfindet nichts dazu.
Übrigens: Die Einleitung dieses Artikels hörst du genau so auf Alexa. Den Satz über meine Erfahrung filtert der Endpoint heraus.
Lohnt sich ein Alexa-Skill für einen Blog?
Als Reichweitenkanal: eher nicht. Ich rechne nicht mit Tausenden Hörerinnen und Hörern, weil die Suche im Skill Store schwach ist und kaum jemand dort nach Blogs sucht. Als Experiment schon. Der Skill kostet nichts, läuft ohne Server-Prozess und zwingt dich, deine Texte einmal laut zu hören. Das hat bei mir mehr gebracht als jede Lesbarkeitsanalyse.
Ein Punkt gehört noch dazu: die Datenschutzerklärung. Der Skill selbst verarbeitet bei mir keine Nutzerdaten, Amazon holt nur den öffentlichen Feed ab. Erwähnt hab ich ihn trotzdem, weil ein veröffentlichter Skill auf eine Datenschutzseite verlinkt, in der er sonst gar nicht vorkommt.
Als Nächstes will ich, dass Alexa nicht mehr mit ihrer eigenen Stimme spricht, sondern mit der Moderatorenstimme meines Radios. Amazon erlaubt dafür MP3-Dateien statt Text, verlangt aber 256 kbps und eine genormte Lautstärke. Das muss ordentlich getestet werden. Schauen wir mal, wann ich dazu komm.
Häufige Fragen zum Alexa-Skill für den eigenen Blog
Du kannst den Skill gleich ausprobieren. Aktiviere digitalhandwerk im Amazon Skill Store und sag: „Alexa, spiel meine tägliche Zusammenfassung.“ Und wenn du selbst einen Blog hast: Hör ihn dir einmal vorlesen. Du wirst Sätze finden, die du nie wieder so schreibst.






