——— aus der werkstatt

Workshop

After Effects kommt auf meine Löschliste: Motion Graphics mit Claude Code

Du schreibst. Ich bewege.
// ki-zusammenfassung Diesen Artikel zusammenfassen mit:

Lass mich ehrlich sein: Das Video unten hab ich nicht animiert. Ich hab einen Satz geschrieben, dazu „Alles in deutsch“, und Claude hat daraus 15 Sekunden Motion Graphics mit eigener Musik gebaut. Keine Timeline, keine Keyframes, kein Plugin-Abo. Seit 1989 arbeite ich in der Kommunikationsbranche, ich hab Animationen gebrieft, abgenommen und selbst in After Effects zusammengeklickt. Meine These: Für die Videos, die du auf deiner Website oder in einer Präsentation brauchst, ist ein Animationsprogramm inzwischen der Umweg. Nach diesem Artikel weißt du, welche zwei Skills du brauchst, wie du sie installierst und wie du Claude so briefst, dass kein generisches Intro-Video rauskommt. Und warum der wichtigste Teil davon eine kurze Regeldatei ist, die du selbst schreibst.

// kurz erklärt5 Begriffe
Claude Code
 Anthropics KI-Agent, der direkt in Dateien auf deinem Rechner arbeitet, Programme ausführt und die Ergebnisse selbst überprüft.
Skill
 ein Ordner mit Anweisungen, Werkzeugen und Wissen, den Claude automatisch lädt, sobald eine passende Aufgabe kommt.
Rendern
 das Berechnen der fertigen Einzelbilder und deren Zusammenbau zu einer Videodatei.
Contact Sheet
 ein Übersichtsbild mit vielen Einzelbildern aus dem Video nebeneinander, damit man den Ablauf auf einen Blick prüfen kann.
LUFS
 die Maßeinheit für empfundene Lautstärke, damit dein Video weder zu leise noch zu laut aus dem Lautsprecher kommt.

Was ist in diesem Video eigentlich passiert?

Mein Prompt war kurz, auf Englisch, und ziemlich frech: Claude soll ein dynamisches 15-Sekunden-Showreel bauen, das zeigt, was für ein großartiger Motion Designer es ist und wie ich es steuern kann. „Go all out.“ Dazu der Nachsatz: alles auf Deutsch.

Was dann kam, hat mich überrascht. Claude hat nicht sofort losgelegt, sondern zuerst einen Plan geschrieben, mit einer Prüfung für jeden Schritt. Dann hat es meine installierten Schriften durchsucht und dabei die Anthropic Serif gefunden, die zufällig auf meinem Rechner liegt. Danach hat es die Musik komponiert, und zwar nicht als Datei aus einer Bibliothek, sondern als Programmcode: Bassdrum, Bass, Akkorde, Hi-Hats, alles mathematisch erzeugt. Aus der fertigen Musik hat es die Beats gemessen und erst danach die Animation darauf gelegt. Jeder Aufprall im Bild sitzt deshalb auf einem Schlag in der Musik.

Die Idee für das Video kam ebenfalls von Claude: Jede Szene beginnt mit einem getippten Befehl, und der Befehl verwandelt sich in Bewegung. „schneller“ lässt fünf Zeilen Text immer schneller rasen. „raster 8×5“ zerlegt das Bild in 40 Kacheln, die sich in Wellen drehen. „schwerkraft an“ lässt alles abstürzen. „kamera: durchfliegen“ schickt dich durch einen dreidimensionalen Raum. Genau das wollte ich zeigen: Du schreibst, Claude bewegt.

Die nackten Zahlen: 900 Einzelbilder in Full HD mit 60 Bildern pro Sekunde, 235 Soundeffekte, das Rendern hat 24 Sekunden gedauert. Vom ersten Projektordner bis zum fertigen Video ist etwa eine Viertelstunde vergangen.

Ich animiere nicht mehr, ich führe Regie. Den Unterschied macht nicht die KI, sondern das Regelwerk, das ich ihr mitgebe.

Alex Januschewsky

Was brauchst du dafür?

Weniger, als du denkst. Ich arbeite mit Claude Code in der Desktop-App. Wo der Unterschied zwischen Terminal, Desktop-App und Browser liegt, hab ich in meinem Artikel über die drei Zugänge zu Claude Code erklärt. Für Videos brauchst du einen lokalen Zugang, also Desktop-App oder Terminal, weil auf deinem Rechner gerendert wird.

Dazu kommen zwei kostenlose Programme: Node.js ab Version 20 und ffmpeg, das Schweizer Taschenmesser für Video und Audio. Wenn dir das nichts sagt, macht nichts. Sag Claude einfach: „Prüf, ob Node.js und ffmpeg installiert sind, und hilf mir, falls nicht.“ Das ist Vibe Coding im besten Sinn: Du beschreibst, was du willst, und Claude kümmert sich um die Technik.

Und dann eben die zwei Skills. Der erste ist fertig zum Installieren, den zweiten schreibst du selbst.

Wie installierst du den Animation Skill?

Der erste Skill heißt Claude Animation und stammt vom Entwickler Hanif, der ihn als Open Source unter MIT-Lizenz auf GitHub veröffentlicht hat. Im Repository des Claude Animation Skills findest du Beispiele, Doku und den Quellcode. Der Skill bringt eine komplette Werkstatt mit: Bewegungskurven, Zeichenstile, Figuren, Effekte, einen Soundgenerator und ein Prüfsystem für die Bilder.

Installiert wird er als Plug-in, mit zwei Befehlen im Terminal:

claude plugin marketplace add buildwithhanif/claude-animation-skill
claude plugin install claude-animation@claude-animation-skill

Danach braucht der Skill noch einmalig seine Zeichenbibliothek. Laut Anleitung führst du im Skill-Ordner npm install aus. Mein Tipp: Lass das Claude machen. Ein Satz reicht: „Richte den claude-animation Skill fertig ein.“

Was ein Skill genau ist und wie Claude entscheidet, wann er ihn lädt, hab ich ausführlich in Claude Skills: Warum echtes Handwerk wichtiger ist als jeder KI-Hype beschrieben. Kurzfassung: Ein Skill ist ein Rezept, das Claude nur aufschlägt, wenn es gebraucht wird.

Warum braucht es zusätzlich eigene Regeln?

Das ist der Punkt, an dem es interessant wird. Der Animation Skill kann viel. Aber ohne Vorgaben landet jede KI früher oder später beim Durchschnitt: zentrierter Titel auf Farbverlauf, alles blendet sanft ein, ein paar Partikel fliegen herum. Kennst du aus hundert Imagevideos. Fertig ist der Einheitsbrei.

Deshalb hab ich einen zweiten, ganz kleinen Skill angelegt: meine Motion-Studio-Regeln. Das ist eine einzige Textdatei, und sie ist mein Stil. Bitte nicht 1:1 übernehmen, sie soll dir als Beispiel dienen, wie so etwas aussehen kann. Sie liegt bei mir unter ~/.claude/skills/motion-studio-rules/SKILL.md:

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name: motion-studio-rules
description: Alex's verbindliche Motion-Studio-Regeln. IMMER laden zusammen mit claude-animation oder bei jeder Animation, bevor Code geschrieben oder etwas gezeigt wird.
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# Motion studio rules

## Render contract
- Every film is a pure function of time: window.seek(t) paints frame t.
- No CSS transitions, no setTimeout, no requestAnimationFrame in render mode,
  no state carried between frames. Seeded noise only (mulberry32), never Math.random.
- Render with node render.mjs, encode H.264 yuv420p, CRF 16.

## Look
- Banned defaults: centered title on gradient, everything fading in,
  corner labels and frame borders, glow on UI chrome, generic particle bursts.
- One display face, one UI face. One accent color unless the brief says otherwise.
- Every 2 to 4 seconds something new must happen on screen.

## Sound
- Score and SFX are synthesized in code unless a track is supplied.
- Place hits on the measured beat grid (beats.json). Loudness -14 LUFS.

## Loop before you show me anything
1. Render one frame per beat as a contact sheet and LOOK at it.
2. Score it 1-10 on: hook in first 2s, readability at phone size,
   motion quality, variety, brand accuracy, sound sync.
3. Fix the 3 worst problems. Repeat until every score is 8+.
4. Only then do the full render.

Keine Sorge, du musst nicht jede Zeile verstehen. Wichtig sind drei Blöcke.

Meine Motion-Studio-Regeln sorgen dafür, dass jedes Video bei jedem Rendern Bild für Bild exakt gleich aussieht. Sie verbieten typische KI-Klischees wie zentrierte Titel auf Farbverlauf oder Einblenden, beschränken das Design auf zwei Schriften und eine Akzentfarbe und verlangen, dass alle zwei bis vier Sekunden etwas Neues passiert. Musik und Effekte entstehen lizenzfrei im Code und sitzen genau auf dem Takt. Und Claude muss sich seine eigenen Bilder anschauen, sich selbst bewerten und so lange nachbessern, bis alles mindestens eine 8 von 10 bekommt, bevor ich überhaupt etwas zu sehen bekomme.

Der Look-Block ist eine Verbotsliste. Ich sag Claude nicht, was schön ist, ich sag ihm, was ich nicht mehr sehen kann. Das funktioniert erstaunlich gut, weil Verbote die KI aus ihren Gewohnheiten zwingen. Dazu kommen eine Schrift für Überschriften, eine für Details, eine Akzentfarbe. Und alle zwei bis vier Sekunden muss etwas Neues passieren, sonst schaut keiner bis zum Ende.

Im Sound-Block steht, dass Musik und Effekte im Code entstehen. Das heißt für dich: keine Lizenzfragen, kein Stöbern in Musikbibliotheken. Die Lautstärke wird auf einen fixen Wert gebracht, damit dein Video auf der Website nicht plötzlich lauter ist als alles andere.

Der Loop-Block ist der wichtigste. Claude muss sich die eigenen Bilder anschauen, bevor es mir irgendwas zeigt. Es rendert ein Contact Sheet, bewertet sich in sechs Kategorien von 1 bis 10 und behebt die drei schlimmsten Probleme. So lange, bis überall mindestens eine 8 steht.

Damit Claude die Regeln garantiert lädt, liegt in meinem Video-Projektordner zusätzlich eine CLAUDE.md, die auf den Skill verweist. Die liest Claude bei jedem Start automatisch.

Wie sieht die Arbeit mit Claude dann konkret aus?

Unspektakulär, und genau das ist der Punkt. Ich hab meinen Prompt geschrieben und zugeschaut. Claude hat mir zwischendurch kurz geschrieben, woran es gerade arbeitet, und mir am Ende das fertige Video in den Chat gelegt.

Spannend war der Qualitätsloop. Im ersten Durchgang hat sich Claude beim Einstieg selbst nur eine 6 gegeben: zu kleiner Text auf zu viel Schwarz, zu wenig Wucht in den ersten zwei Sekunden. Die Befehlszeilen waren am Handy kaum lesbar. In der Kamerafahrt haben sich die Karten in der Bildmitte gestapelt. Alle drei Punkte hat es korrigiert, neu gerendert, wieder angeschaut. Beim zweiten Blick ist ihm aufgefallen, dass jetzt eine Befehlszeile die Unterzeile verdeckt. Beim dritten, dass ein Text rechts aus dem Bild läuft. Insgesamt sechs Korrekturen, bevor ich überhaupt etwas zu sehen bekommen hab.

Ich würde das eigentlich nicht als Selbstkritik bezeichnen, eher als Arbeitsdisziplin. Aber genau die hab ich bei menschlichen Dienstleistern oft vermisst.

Was das für dich konkret bedeutet: Ein Präsentationsintro, ein animiertes Logo für die Website, ein kurzer Erklärclip für ein neues Angebot, das sind alles Aufgaben für einen gut formulierten Absatz. Denk an eine Tischlerei, die für den obersten Bereich ihrer Startseite ein Video braucht: zehn Sekunden, ihre Farben, ihr Leitsatz, fertig. Früher ein Agenturauftrag, heute ein Prompt.

Was kann das nicht?

Jetzt kommt der Teil, den Werbevideos gern weglassen. Diese Videos entstehen aus Code, nicht aus Filmmaterial. Grafik, Typografie, Formen, gezeichnete Figuren, das kann Claude richtig gut. Fotorealistische Menschen oder Landschaften kommen so nicht raus. Dafür gibt es generative Videomodelle, die ich in Multimodale KI: Wenn Worte zu Medien werden vorgestellt hab. Der Unterschied: Dort würfelt das Modell und du hoffst. Hier ist jedes Bild exakt steuerbar und bei jedem neuen Rendern identisch. Für Marken ist das Gold wert, weil eine Korrektur wirklich nur das ändert, was du ändern willst.

Zweite Grenze: Claude bewertet seine Arbeit anhand von Standbildern. Ob sich eine Bewegung gut anfühlt, merkst erst du beim Anschauen. Plan also immer eine Runde Feedback ein, so wie mit einer Agentur auch.

Dritte Grenze: Schriften. Claude hat bei mir Schriften verwendet, die lokal installiert waren. Ob du eine Schrift in einem Video veröffentlichen darfst, hängt von ihrer Lizenz ab. Das prüft dir keine KI verbindlich.

Ist After Effects damit wirklich erledigt?

Für mich, ja. After Effects steht auf meiner Löschliste. Ich hab es für genau solche Clips verwendet: Logoanimationen, Präsentationsintros, kurze Social-Videos. Jedes Mal Keyframes setzen, Kurven ziehen, rendern, Ton dazu in einem zweiten Programm. Eine Änderungsrunde hat einen halben Nachmittag gekostet.

Jetzt schreibe ich: „Mach die Unterzeile größer und lass den Punkt einen Takt später fallen.“ Eine Minute später liegt das neue Video da, mit neu gemischtem Ton.

Wer Realfilm schneidet, Greenscreen-Aufnahmen bearbeitet oder komplexe Visual Effects baut, wird After Effects weiter brauchen, das will ich gar nicht wegreden. Aber das mache ich eh nicht. Und ich behaupte, die meisten, die Videos für ihre Website oder für Präsentationen brauchen, machen es auch nicht. Für die gilt: Das Abo kann weg.

Häufige Fragen

Nein. Claude schreibt den gesamten Code selbst und führt ihn auch aus. Du musst beschreiben können, was du sehen willst, und das Ergebnis kritisch anschauen.

Der Claude Animation Skill, Node.js und ffmpeg sind kostenlos. Du brauchst ein Claude-Abo mit Zugang zu Claude Code. Je aufwendiger das Video, desto mehr von deinem Nutzungskontingent geht drauf.

Ja, das solltest du sogar. Schreib Farbcodes und Schriftnamen in deine Regeldatei oder direkt in den Prompt. Die Schriften müssen auf deinem Rechner installiert sein, und ihre Lizenz muss die Verwendung im Video erlauben.

Als MP4-Datei, die auf jeder Website, in PowerPoint und in Keynote läuft. Hochformat für Social Media geht genauso, du musst es nur im Prompt dazusagen.

Und jetzt du

Schreib dir zuerst deine eigene Verbotsliste. Was nervt dich an Firmenvideos? Was willst du nie wieder sehen? Das sind fünf Minuten, und danach hat Claude etwas, woran es sich reiben kann. Dann installierst du den Animation Skill und gibst den ersten Prompt ein, mit deinen Farben, deinem Leitsatz, deiner Länge.

Du kannst noch ein paar Jahre Keyframes setzen. Oder du fängst heute an, Regie zu führen.

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about.me
Alex Januschewsky – Zertifizierter KI-Beauftragter und Werbefachmann
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky ist Werbefachmann, zertifizierter KI-Beauftragter (ISO 42001, EU AI Act-Konformität) und Microsoft MVP Alumni. Seit 1989 in Werbung und Design aktiv, spezialisiert auf den professionellen Einsatz von Generativer KI: kreativ, strategisch, praxisnah. Seit über 30 Jahren entwickle ich Kommunikation, die nicht auf Hype setzt, sondern auf echte Wirkung. Klar, klug und mit einem tiefen Verständnis für Technologie und Sprache. In diesem Blog teile ich Ideen, Impulse und erprobtes Wissen für Unternehmer, Entscheider und KI-Enthusiasten, die mehr wollen als Schlagwörter und bunte Versprechen.

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Alex Januschewsky, Prompt Rocker, wohnhaft in Salzburg, tätig in Österreich
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