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Persönliches

Super Intelligence: Wie Trump ein Sicherheitsproblem in ein Marketingproblem verwandelt

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Am 22. September 2026 steht Donald Trump vor der UN-Generalversammlung und verkündet, dass die USA „artificial intelligence“ ab sofort „super intelligence“ nennen. Der Grund, den er selbst liefert: „Artificial“ klinge nach etwas Falschem, und die Technologie sei „nicht fake, sondern tatsächlich erstaunlich“. Meine These, nach 37 Jahren in der Kommunikationsbranche und einigen Jahren als KI-Berater: Das ist kein Ausrutscher und kein Kalauer, den man ignorieren kann. Es ist eine Umdeutung, die genau in dem Moment kommt, in dem die Warnungen vor der Technologie am lautesten sind. Wer verstehen will, warum dieser eine Satz mehr verrät als jede Pressekonferenz, findet hier den Kontext, den die Kurzmeldungen weglassen.

Was Trump tatsächlich gesagt hat

Die Rede selbst ist ein Lehrstück in ihrer eigenen Widersprüchlichkeit. Trump erklärt, „super intelligence“ sei der „much more accurate term“, weil „artificial“ die Technologie fake klingen lasse. Im selben Atemzug warnt er, man müsse „vorsichtig sein“, weil die Sache „das genaue Gegenteil von dem ist, was sie vorgibt zu sein“. Zwei Sätze, ein Widerspruch, live vor 190 Delegationen.

Vorausgegangen war eine Umfrage auf X und Truth Social, bei der er seinen Followern drei Optionen zur Abstimmung vorlegte: „superior intelligence“, „extreme intelligence“ und „supreme intelligence“, zwei praktischerweise mit dem Kürzel SI. Am Ende hat er sich für „super intelligence“ entschieden, eine Variante, die in der Abstimmung gar nicht zur Wahl stand. Selbst die eigene Marketing-Inszenierung war also nur Kulisse für eine Entscheidung, die längst feststand.

Der Begriff existiert schon, und er bedeutet etwas anderes

Hier wird es fachlich interessant, und genau deshalb ärgert mich das mehr als jede andere Namensposse aus Washington. „Superintelligence“ ist kein freier Marketingbegriff, den sich irgendjemand aussuchen kann. Er bezeichnet in der KI-Forschung seit Jahren ein konkretes, ernstzunehmendes Konzept: eine Intelligenz, die menschliche Fähigkeiten in praktisch allen relevanten Bereichen übertrifft. Genau das Szenario, vor dem Sicherheitsforscher seit Jahren warnen, und genau das Ziel, das einige Frontier-Labore selbst offen formulieren.

Wenn ein aktuelles KI-System jetzt per Dekret „super intelligence“ heißt, verschwimmt die Grenze zwischen einem Chatbot, der E-Mails zusammenfasst, und einem hypothetischen System, das die Kontrolle über kritische Entscheidungen übernehmen könnte. Das ist keine sprachliche Feinheit. Wer den Unterschied zwischen „KI-Tool“ und „Superintelligenz“ einebnet, entweder aus Unwissen oder aus Kalkül, verändert, worüber überhaupt diskutiert wird, wenn morgen ein Journalist, ein Abgeordneter oder ein Elternteil das Wort in den Mund nimmt.

Der Begriff selbst ist nicht neu erfunden. In der Forschung wird „superintelligence“ seit über einem Jahrzehnt als klar definierte Stufe verwendet, weit über dem, was heutige Sprachmodelle leisten. Genau deshalb funktioniert der PR-Trick so gut: Der Begriff trägt bereits Gewicht, Ernsthaftigkeit, ein bisschen Ehrfurcht. Trump muss keine neue Bedeutung aufbauen, er kann sich einfach an die vorhandene anlehnen und sie auf jedes x-beliebige Produkt kleben, das heute im Weißen Haus über den Tisch geht.

Ich beschäftige mich seit Jahren mit KI-Begriffen, die absichtlich vage bleiben, um Regulierung zu erschweren. Das ist ein neues Level. Da wird nicht vage formuliert, da wird ein bereits belegter Fachbegriff gekapert und mit einer völlig anderen Bedeutung aufgeladen. Ein Chatbot, der eine Rechnung zusammenfasst, und ein System, das eigenständig strategische Entscheidungen trifft, landen sprachlich plötzlich in derselben Schublade. Wer das für harmlos hält, hat nie versucht, mit Laien über KI-Risiken zu sprechen. Die Begrifflichkeit ist oft der einzige Halt, den Menschen ohne technischen Hintergrund haben, um Einschätzungen überhaupt einzuordnen.

Das Muster: Umbenennen statt regulieren

Wer Trumps zweite Amtszeit verfolgt, erkennt sofort das Schema. Der Golf von Mexiko wurde per Dekret zum „Gulf of America“. Im August 2026 folgte der Lake Ontario, umbenannt in „Lake America“. Jetzt also die künstliche Intelligenz. Die Methode ist immer dieselbe: Ein komplexes, unbequemes Thema wird durch einen griffigen neuen Namen ersetzt, und die Substanz dahinter bleibt unangetastet oder wird sogar schlimmer.

Bei Gewässern ist das lächerlich, aber folgenlos. Bei einer Technologie, die laut eigenen Sicherheitsforschern von Frontier-Laboren „schneller wächst, als die Unternehmen selbst verstehen“, ist es das nicht. Die Rede fiel just in der Woche, in der ein ehemaliger Anthropic-Forscher öffentlich davor gewarnt hatte, KI könne die Menschheit in ihrer jetzigen Entwicklungsgeschwindigkeit gefährden. Trumps Antwort darauf: Die Sorgen um KI seien ein „Hoax“, vergleichbar mit Warnungen vor der Klimaerwärmung. Wer beim größten Sicherheitsrisiko der Technologiegeschichte mit einem Rebranding kontert, hat entweder die Dimension nicht verstanden oder sie bewusst kleingeredet. Beides ist beunruhigend, und ich tendiere klar zu Letzterem.

Deregulierung als eigentliches Ziel

Der Name ist die Show, die Politik dahinter ist der eigentliche Punkt. In derselben Rede lehnt Trump jedes internationale Regelwerk zur KI-Kontrolle kategorisch ab und kündigt an, „super intelligence“ nicht zu bremsen, sondern zu fördern. Das passt zu einer Linie, die sich seit seinem Amtsantritt durchzieht: Biden hatte auf Regulierung gesetzt, Trump dreht das systematisch zurück, öffnet die Schleusen für Rechenzentren und Infrastrukturinvestitionen und positioniert sich klar gegen jede Bremse, die den USA im Wettlauf gegen China schaden könnte. Wie unterschiedlich die beiden großen KI-Blöcke das Thema angehen, habe ich in meinem Artikel zum KI Gesetz, das seit August 2025 wirklich gilt ausführlicher aufgedröselt: Europa reguliert, die USA setzen auf Tempo und Transparenzpflichten light. Die Umbenennung fügt sich nahtlos in dieses Muster: Wer das Risiko sprachlich verkleinert, muss es politisch nicht mehr ernst nehmen.

Genau diese Woche steht zudem ein Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping in Washington an, bei dem es unter anderem um einen möglichen Kommunikationskanal zu KI-Sicherheitsfragen zwischen den beiden Supermächten gehen solle. Ein neuer Markenname für die eigene Technologie ist da auch ein Signal nach außen: Wir haben die Lage im Griff, schaut her, wir nennen es sogar „super“. Ob das bei den chinesischen Verhandlungspartnern ernsthaft verfängt, wage ich zu bezweifeln.

Wie sehr Trump KI als geopolitisches Prestigeobjekt behandelt, statt als Technologie mit realen Nebenwirkungen, habe ich auch an anderer Stelle beobachtet. Vor einiger Zeit hat er eine „KI-Offensive“ für amerikanische Schulen ausgerufen, mit eigener Taskforce und einem früheren Silicon-Valley-Investor als KI-Beauftragtem im Kabinett. Mehr dazu in meinem Artikel darüber, wie China in der KI-Bildung Europa längst abgehängt hat, während die USA ihre eigene Version davon eher als Standortmarketing verkaufen. Das Muster wiederholt sich: große Ankündigung, viel Bühne, wenig überprüfbare Substanz.

Wie reagieren die Frontier-Anbieter

Das ist der Teil, der mich als Beobachter der Branche am meisten interessiert. Öffentlich hat sich bislang kein großes US-Labor, weder OpenAI noch Google DeepMind noch Anthropic, zur Wortwahl positioniert. Das überrascht mich nicht. Die Unternehmen bewegen sich in einem Umfeld, in dem sie auf staatliche Wohlwollen angewiesen sind, von Exportlizenzen bis zu Beschaffungsverträgen mit Bundesbehörden. Wie eng diese Abhängigkeit inzwischen ist, zeigt sich an einem Fall, den ich im Sommer ausführlich dokumentiert habe: Als die US-Regierung im Juni 2026 per Exportkontrolle den Zugang zu Anthropics Modellen Fable 5 und Mythos 5 für alle Nutzer außerhalb der USA sperrte, blieb dem Unternehmen keine andere Wahl, als die Modelle weltweit vom Netz zu nehmen, mich eingeschlossen. Details dazu in meinem Beitrag zum G7-Gipfel in Évian, wo genau diese Verflechtung von Politik und Modellzugang zum zentralen Thema wurde.

Wer in einem solchen Abhängigkeitsverhältnis steht, widerspricht dem Präsidenten nicht öffentlich wegen einer Wortwahl, so absurd sie fachlich auch sein mag. Ich rechne eher damit, dass die Labore den Begriff in offiziellen US-Kommunikationen stillschweigend mitgehen, während sie in eigenen Publikationen, Papers und internationalen Märkten weiter von „AI“ oder präziser von „frontier models“ sprechen. Eine Zwei-Klassen-Sprache, eine für Washington, eine für den Rest der Welt. Das wäre technisch gesehen keine große Überraschung, würde aber trotzdem zeigen, wie wenig Rückgrat die Branche gegenüber der eigenen Regierung derzeit aufbringt.

Warum mich das mehr aufregt als andere Umbenennungen

Sprache formt, wie wir über Risiko denken. Das ist keine steile These, das ist Grundlagenwissen aus jeder Kommunikationsausbildung, meiner eigenen eingeschlossen, seit 1989. Wenn ein Staatsoberhaupt eine Technologie, die von eigenen Insidern als potenziell unkontrollierbar beschrieben wird, in einen Werbebegriff umtauft, der nach Fortschritt und Stärke klingt, dann ist das kein sprachliches Detail am Rande der Weltpolitik. Das ist der Versuch, eine berechtigte Debatte über Kontrolle, Aufsicht und Grenzen mit einem PR-Trick zu ersticken, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat.

Ich habe in den vergangenen Jahren viel über KI-Begriffe geschrieben, die absichtlich unscharf bleiben. Diese Umbenennung ist unscharf mit Ansage. Sie nimmt einen Fachbegriff, der eine reale und ernste Bedrohungsstufe beschreibt, und klebt ihn auf Produkte, die davon meilenweit entfernt sind. Wer künftig ernsthaft über die Risiken echter Superintelligenz sprechen will, muss sich zuerst durch eine semantische Nebelwand kämpfen, die ein US-Präsident aus reiner Eitelkeit aufgebaut hat.

Das eigentlich Bittere daran: Es hätte diese Rede gar nicht gebraucht. Die USA hätten in Évian, beim Xi-Gipfel oder in jeder anderen Woche dieses Jahres eine ernsthafte Position zu KI-Sicherheit beziehen können, mit oder ohne neuen Namen. Stattdessen bekommt die Weltöffentlichkeit ein Wortspiel, das sich anhört wie ein Slogan aus einer Investorenpräsentation, nicht wie die Aussage eines Staatsoberhaupts über eine Technologie, vor der die eigenen Fachleute warnen. Ich nenne die Systeme, mit denen ich täglich arbeite, weiterhin künstliche Intelligenz. Nicht aus Sturheit, sondern weil der Begriff stimmt, und weil ich das Wort „super“ mir für den Tag aufheben möchte, an dem es tatsächlich zutrifft. Dieser Tag ist noch nicht gekommen, ganz gleich, was am UN-Pult verkündet wird.

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Alex Januschewsky – Zertifizierter KI-Beauftragter und Werbefachmann
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky ist Werbefachmann, zertifizierter KI-Beauftragter (ISO 42001, EU AI Act-Konformität) und Microsoft MVP Alumni. Seit 1989 in Werbung und Design aktiv, spezialisiert auf den professionellen Einsatz von Generativer KI: kreativ, strategisch, praxisnah. Seit über 30 Jahren entwickle ich Kommunikation, die nicht auf Hype setzt, sondern auf echte Wirkung. Klar, klug und mit einem tiefen Verständnis für Technologie und Sprache. In diesem Blog teile ich Ideen, Impulse und erprobtes Wissen für Unternehmer, Entscheider und KI-Enthusiasten, die mehr wollen als Schlagwörter und bunte Versprechen.

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Alex Januschewsky, Prompt Rocker, wohnhaft in Salzburg, tätig in Österreich
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