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Gedanken

Wie weit sind wir eigentlich zurück? Die ehrliche Antwort tut weh.

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Dieser Artikel lag wochenlang als Entwurf in meinem Backend. Angefangen habe ich ihn irgendwo zwischen zwei Terminen im April, dann kam ein Kundenprojekt dazwischen, dann ein Ausflug mit dem Motorrad, dann die nächste Breaking-News in der KI-Welt. Jetzt, Mitte Juni 2026, schreibe ich ihn fertig. Und ich merke: Er ist nicht weniger dringend geworden. Eher das Gegenteil.

Ich beschäftige mich mit dieser Frage, wie weit wir zurück sind, nicht seit Wochen. Seit Jahren. Als KI-Berater und Trainer, der seit 1989 in der Kommunikationsbranche arbeitet und seit 2022 täglich mit generativer KI, beobachte ich einen Kontinent, der diskutiert, regelt und dokumentiert, während andere bauen, deployen und skalieren. Das macht mich nicht wütend. Wütend wäre zu einfach. Es macht mich zunehmend ungeduldig. Und wenn ich an meine Söhne denke, Julian im Handel, Tobias im Informatikstudium, dann wird aus Ungeduld manchmal so etwas wie echte Sorge.

Meine These ist einfach formuliert: Österreich, Deutschland und die EU insgesamt sind Weltmeister im Diskutieren und Regulieren, aber zu wenige machen. Das ist kein politisches Statement. Das ist eine Bestandsaufnahme, die ich an konkreten Themen festmache: der ID Austria als Paradebeispiel für das, was gelingt und was trotzdem nicht reicht, dem deutschen Digitalisierungsfiasko als Negativfolie, dem EU AI Act als gutgemeintes Bürokratieprojekt mit Kollateralschäden, und der Frage nach Personal, Rechenleistung und Strom, also dem Fundament auf dem alles aufbaut.

Am Ende dieses Artikels wirst du wissen, wie weit wir tatsächlich zurückliegen, wo es reale Hoffnung gibt und was mich trotzdem nachts gelegentlich wachhält.

ID Austria: Das Beste, was wir haben, und warum es trotzdem zu wenig ist

Lass mich mit einer positiven Feststellung beginnen, weil sie zeigt, wie hoch die Latte liegen könnte.

Bis Dezember 2025 haben sich 4,8 Millionen Menschen in Österreich für die ID Austria registriert. Allein zwischen Juli und Dezember 2025 bot eine Servicetour 220 Stopps in ganz Österreich an und löste 900.000 Neuregistrierungen aus. Die Nutzungszahlen gehen ebenfalls nach oben: Die monatlichen Anmeldungen haben sich von 5,5 Millionen im November 2023 auf über 10 Millionen im Mai 2025 nahezu verdoppelt.

Was kann die ID Austria konkret? Du kannst damit über 200 Behördenwege online erledigen, PDFs digital signieren und digitale Ausweise wie den Führerschein nutzen. Den Führerschein am Smartphone vorweisen geht bereits, aktuell allerdings nur in Österreich. Frisch dazugekommen ist, bildlich gesprochen gestern erst: Die mobile Nutzung von Vollmachten, also die Vertretungsfunktion für andere Personen direkt vom Smartphone, ist jetzt möglich. Und mit dem KI-Chatbot „ida“ kommt ab Sommer 2026 die erste große Bürger-KI-Anwendung der Public-AI-Initiative, die Fragen zu digitalen Verwaltungsservices in natürlicher Sprache beantwortet. Die EU hat die ID Austria sogar als sicherste mobile Lösung aller europäischen Mitgliedsstaaten ausgezeichnet.

Das sind echte Erfolge. Ich sage das nicht als Politiker. Ich sage das als jemand, der die ID Austria täglich nutzt und weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt.

Aber.

Am 1. Jänner 2025 lebten rund 9,2 Millionen Menschen in Österreich. 4,8 Millionen sind registriert. Knapp die Hälfte. Wenn man nicht mobile Kinder, Menschen ohne Smartphone und nicht-registrierbare Personengruppen herausrechnet, bleibt ein Lücke, die beunruhigt. Bis 2030 will man alle 9 Millionen Menschen in Österreich mit der ID Austria erreichen. Schön. Aber das sind vier Jahre. Mit weiteren Pressekonferenzen, weiteren Servicetouren, weiteren Ankündigungen.

Was mir wirklich fehlt: die ID Austria als echter Lebensbegleiter. Nicht nur für FinanzOnline. Sondern für den Arzttermin ohne Papierkarte. Für die Schuleinschreibung. Für den Bankvertrag. Für den Notar. Für das Krankenhaus. Für alles, was ich heute noch ausdrucke, unterschreibe, einscanne und per Post zurückschicke. Das wäre möglich. Es ist teils technisch vorbereitet. Der Weg von „vorbereitet“ zu „läuft flächendeckend“ dauert in Österreich regelmäßig fünf bis zehn Jahre länger, als irgendjemand bei einer Pressekonferenz ankündigt.

Und ich empfehle dir, auch meinen Artikel über Estlands Ansatz zu lesen: KI-Agenten brauchen eigene Ausweise: Estland zeigt, wie das gehen könnte Ein Land mit 1,3 Millionen Einwohnern hat 100 Prozent seiner Verwaltungsdienstleistungen digital, baut auf einer Infrastruktur, die seit Jahrzehnten gewachsen ist, und denkt jetzt schon über Ausweise für KI-Agenten nach. Das ist der Maßstab, an dem wir uns messen sollten.

Das deutsche Digitalisierungsdebakel: Wenn Föderalismus zum Bremsklotz wird

Jetzt komme ich zu dem Thema, das im vorherigen Entwurf zu kurz kam: Deutschland.

Ich sage das mit aller Vorsicht, weil Deutschland mit Abstand das wirtschaftlich gewichtigste Land in der DACH-Region ist. Aber genau deshalb ist das, was hier passiert, so folgenreich für ganz Europa.

Das Onlinezugangsgesetz (OZG) sollte bis Ende 2022 fast 600 Behördenleistungen online verfügbar machen, und scheiterte spektakulär. Von den 575 staatlichen Online-Leistungen waren Anfang 2025 erst 196 tatsächlich online. Besonders alarmierend: Im letzten Jahr sind lediglich 13 Leistungen hinzugekommen. Das Tempo nimmt also ab.

13 Leistungen in einem Jahr. Die Zahl muss man kurz sacken lassen.

Die enge Auslegung des OZG mit Fokus auf Online-Formulare statt auf prozessorientierte Abläufe hat dazu geführt, dass die Modernisierung der zahlreichen Datenregister erst spät angegangen wurde. Insgesamt gibt es rund 375 Datenregister von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen, die nicht miteinander verknüpft sind und als Datensilos mit teils unterschiedlichen Dateiformaten existieren.

375 nicht verknüpfte Datenregister. In einem Industrieland, das sich gerne als Ingenieursnation bezeichnet. Das ist kein Verwaltungsfehler. Das ist ein Systemversagen.

Das Grundproblem: Deutschland hat einen ausgeprägten Föderalismus. Bund, Länder und Kommunen agieren getrennt, mit eigenen IT-Systemen, eigenen Vorstellungen und eigenen politischen Prioritäten. Was in kleinen Ländern wie Österreich oder erst recht Estland über zentrale Entscheidungen läuft, braucht in Deutschland Koalitionsverhandlungen auf drei Ebenen. Seit Mai 2025 übernimmt das neu gegründete BMDS (Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung) die Führungsrolle und soll digitale Kompetenzen bündeln, die zuvor auf Kanzleramt, Innen-, Wirtschafts- und Justizministerium verteilt waren. Die Lösung heißt „Deutschland Stack“: eine gemeinsame digitale Infrastruktur mit interoperablen Bausteinen. Ein guter Ansatz. Nur: Er wird diskutiert, während in anderen Ländern längst geliefert wird.

Und bei KI? 43 Prozent der deutschen Mittelständler haben keine konkrete KI-Planung, obwohl die Nutzung generativer KI sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt hat. Die KPMG-Studie 2025 zeigt, dass 91 Prozent der Großunternehmen KI als geschäftskritisch einstufen, während der Mittelstand abzuhängen droht.

Das trifft mich direkt in meiner Beratungsarbeit. Fast alle EPU und KMU, die ich begleite, stehen vor derselben Diagnose: Sie nutzen KI, oft schon täglich, aber ohne Strategie, ohne Governance, ohne Plan. Generative KI ist in 47 Prozent der KMUs im Einsatz, allerdings meist ohne Governance-Rahmen. Das klingt nach Fortschritt. Ist aber Schatten-IT mit KI-Flair.

Ich habe dazu bereits mehr geschrieben, der Artikel Microsoft AI Report 2025: Warum wir in DACH gerade den Anschluss verlieren legt die Zahlen präzise auf den Tisch: Europa nutzt KI intensiv, aber als Konsument fremder Plattformen, nicht als Gestalter eigener Lösungen. Das ist das Kernproblem.

Der EU AI Act: Gutgemeint, schlecht getimed

Den Grundgedanken hinter dem AI Act halte ich nach wie vor für richtig. KI braucht Regeln. Wer glaubt, dass völlig ungezügelte KI-Entwicklung keine Schäden produziert, hat entweder keine Kinder oder keine Haftbarkeit.

Aber Europa hat aus einer guten Idee das maximal Lähmende herausgeholt.

Die Governance-Regeln und Verpflichtungen für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck traten am 2. August 2025 in Kraft. Die Vorschriften für Hochrisiko-KI-Systeme haben einen verlängerten Übergangszeitraum bis zum 2. August 2028, aufgrund der politischen Einigung über den AI-Omnibus-Vereinfachungsvorschlag. Die Änderung erfolgt, ohne dass einzelne Fragen gerichtlich geklärt sind oder es praktische Erfahrung in der Umsetzung gibt.

Das Gesetz wird geändert, bevor es vollständig in Kraft getreten ist. In Brüssel ist die Sorge gewachsen, dass zu dichte Regulierung Innovation ausbremst, besonders im Wettbewerb mit den USA und China. Das Reformpaket soll Vereinfachung bringen, dort wo Bürokratie ohne echten Sicherheitsgewinn entsteht.

Bitte kurz innehalten. Die EU reguliert ein Gesetz weg, das sie noch gar nicht vollständig eingeführt hat. Das sagt etwas über die Qualität der ursprünglichen Arbeit aus, das man nicht weiter kommentieren muss.

Ich habe darüber auch ausführlicher geschrieben, in zwei Artikeln die ich dir empfehle: Der große Aufschub: Was der verzögerte EU AI Act für uns wirklich bedeutet und EU KI Strategie 2025: Europas 1-Milliarden-Plan im globalen KI-Wettlauf. Die Analyse dort gilt weiter.

Bitkom fragt berechtigt: Wenn selbst Juristen uneins sind, wie der AI Act auszulegen ist, wie sollen dann Mittelständler oder Entwickler in Europa fundierte Entscheidungen treffen? Die Steuerberaterin, die ich letzten Herbst begleitet habe, hat keine Rechtsabteilung. Die hat ein Smartphone, ein gutes Produkt und die Frage, ob sie einen KI-Workflow für Mandantengespräche einsetzen darf oder nicht. Diese Frage konnte ihr auch nach eingehender Recherche niemand eindeutig beantworten. Für Unternehmen in Europa entsteht so ein struktureller Wettbewerbsnachteil: Innovation trifft auf regulatorische Unsicherheit und führt nicht selten zu unternehmerischer Schockstarre. Währenddessen treiben insbesondere US-Unternehmen den produktiven Einsatz agentischer KI bereits voran und entwickeln die nächste Generation der Workflow-Automation.

Das ist keine Theoriediskussion. Das ist meine tägliche Praxis.

Die Infrastruktur-Frage: Haben wir die Rechner und den Strom?

Hier wird es richtig unangenehm. Denn während wir über Regeln für KI diskutieren, hat der Rest der Welt einfach gebaut.

Meta gab bekannt, im Jahr 2025 zwischen 60 und 65 Milliarden US-Dollar in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur zu investieren und die eigene GPU-Kapazität auf rund 1,3 Millionen Prozessoren zu steigern. Gleichzeitig eröffnete die Deutsche Telekom ihre neue KI-Fabrik im Münchener Tucherpark, ausgestattet mit 10.000 NVIDIA-GPUs. Allein der Aufbau dieses Rechenzentrums steigert die gesamte KI-Rechenkapazität Deutschlands um rund 50 Prozent.

Der Vergleich macht deutlich, was ich meine: Ein einzelnes US-Unternehmen mit 1,3 Millionen GPUs gegen Deutschlands nationales Vorzeigeprojekt mit 10.000. Das ist kein Rückstand. Das ist eine andere Welt.

Bereits heute verfügen die USA über die 20-fache Rechenkapazität Deutschlands. Die Nachfrage der deutschen Wirtschaft würde laut eco-Untersuchung bis 2030 ein drei- bis fünffaches des möglichen Ausbautempos erfordern, also bis zu 12 Gigawatt, so viel wie mindestens zehn Atomreaktoren liefern können.

China plant Investitionen von 295 Milliarden US-Dollar in ein landesweites Netz von KI-Rechenzentren. Und Europa? Als weltweit drittgrößte Volkswirtschaft steht Europa wie abgehängt da: Rund 86 Prozent der globalen KI-Rechenkapazitäten befinden sich in den USA und in China.

Die Bundesregierung reagiert. Bis 2030 will Deutschland die Rechenzentrumskapazitäten mindestens verdoppeln und die Kapazitäten für KI und High-Performance-Computing vervierfachen. Das klingt ambitioniert. Ist auch notwendig. Der Genehmigungsprozess für neue Rechenzentren dauert in anderen EU-Ländern wie Dänemark teils nur wenige Monate, in Deutschland dagegen zwei Jahre oder sogar länger.

Zwei Jahre. Für eine Baugenehmigung. In einer Zeit, in der Modellgenerationen in Monaten kommen und gehen.

Sowohl staatliche Institutionen als auch Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihren künftigen Bedarf an Rechenkapazitäten abzuschätzen. Wer seinen Bedarf nicht kennt, kann nicht verbindlich buchen. Wer nicht bucht, bekommt keine Investoren für teure Infrastruktur. Ein klassisches Henne-Ei-Problem. Nur diesmal mit Milliarden-Euro-Konsequenzen für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit.

Es gibt Lichtblicke. Mistral baut gerade ein eigenes Rechenzentrum in Frankreich mit 13.800 NVIDIA Grace Blackwell-GPUs, plant bis 2027 europaweit 200 Megawatt und bis 2030 ein Gigawatt Rechenkapazität. Das ist ein Anfang. Kein Wendepunkt, aber ein Anfang.

Die Personalfrage: Wer soll das alles umsetzen?

Ich mache seit geraumer Zeit KI-Trainings. Mit EPU, mit KMU, mit Mittelständlern. Und was ich in jedem dieser Workshops erlebe, bestätigen die Zahlen eindeutig.

In der deutschen Wirtschaft fehlen aktuell rund 109.000 IT-Fachkräfte. 79 Prozent der Unternehmen erwarten, dass sich dieser Mangel in Zukunft sogar weiter verschärfen wird. Laut Bitkom werden bis 2040 rund 663.000 IT-Fachkräfte in Deutschland fehlen, wenn keine gegenteiligen Maßnahmen ergriffen werden.

Österreich ist nicht besser dran. Beim Anteil an Softwareentwicklerinnen und -entwicklern fällt Österreich auf Platz 19 unter europäischen Ländern ab, trotz insgesamt vergleichsweise guter MINT-Bewertung. Bis 2040 wird ein massiver Fachkräftemangel erwartet. Die Wirtschaftskammer Österreich sieht Weiterbildung, insbesondere im KI-Bereich, als strategischen Hebel zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.

Weiterbildung. Schön. Aber ich frage mich auch selbstkritisch: Wer qualifiziert die Qualifizierer? Die meisten, die heute als KI-Trainer auftreten, haben das Thema vor 18 bis 24 Monaten als ernsthaftes Berufsfeld entdeckt. Mich eingeschlossen, wenn ich ehrlich bin, auch wenn mein Hintergrund in der Kommunikations- und Technologiebranche geht deutlich länger zurück. Das Tempo der KI-Entwicklung überholt jeden Zertifizierungskurs. Ein ISO-42001-Zertifikat für KI-Beauftragte, ich habe es, bescheinigt Verständnis des Rahmens, nicht die Fähigkeit, agentische KI-Systeme produktiv einzusetzen.

Aber es gibt eine Zahl, die mir Hoffnung macht: Rund 325.000 KI-Fachkräfte sind in Europa tätig, ebenso viele wie in den USA. Europa zählt außerdem ähnlich viele neu gegründete KI-Startups pro Jahr wie die USA, rund 900 Neugründungen jährlich.

Das Talent ist da. Das Problem ist, was wir damit machen. Europa konsumiert KI intensiv, stärkt damit aber primär fremde Ökosysteme. 75 Prozent der europäischen KI-Investitionen fließen in vertikale Anwendungen auf Basis von US-Plattformen.

Wir bauen auf fremdem Fundament. Ich habe das 2025 ausführlich beschrieben, in einem Artikel, der mich persönlich am meisten beschäftigt hat: Europa und die Abhängigkeit, die uns kalt erwischt. Die Kernthese dort ist heute noch aktueller als beim Schreiben: KI-Abhängigkeit steckt nicht nur im Chatbot, sondern in mehreren Schichten: Modell, Cloud, Rechenzentrum, Chip, Entwicklerwerkzeug und Plattformzugang. Wer diese Schichten nicht versteht, versteht das Risiko nicht.

Und das Risiko ist sehr real. Den aktuellsten Beleg dafür habe ich ebenfalls gerade erst beschrieben: Was passiert, wenn USA und China Europa den KI-Stecker ziehen? Der Artikel ist brandaktuell. Lesen.

Wo stehen wir wirklich? Drei Bilder, die es verdichten

Lass mich das Ganze nicht in weiteren Statistiken ertränken. Drei konkrete Bilder, die mir zeigen, wo wir tatsächlich stehen.

Bild eins: Eine österreichische Steuerberaterin, die ich berate, fragt mich, ob sie einen KI-Assistenten für Mandantengespräche einsetzen darf. Wir recherchieren zusammen. Wir finden keine eindeutige Antwort. Sie wartet. In der Zeit hat ihre Konkurrenz aus Amerika längst deployt.

Bild zwei: Deutschland beschließt im März 2026 eine Nationale Rechenzentrumsstrategie. Gleichzeitig gilt: Genehmigungsprozesse dauern in Deutschland zwei Jahre oder länger, statt wie in Dänemark wenige Monate. Die Strategie ist gut. Die Umsetzungsgeschwindigkeit ist das Problem.

Bild drei: KI-Forscher warnen in einem Szenario bis 2031: Europa habe 2025 unterschätzt, wie schnell die KI vorankommt, wie tiefgreifend sie alles verändern würde, und habe seine eigene Fähigkeit überschätzt, den Rückstand wieder aufzuholen. Das ist kein Panikartikel einer Tech-Publikation. Das ist die nüchterne Einschätzung von Wissenschaftlern, die nicht für Headlines schreiben.

Was kommt, was diskutiert wird, und was ich erwarte

Es gibt durchaus Bewegung. Die EU arbeitet an einem Cloud and AI Development Act und einem AI Continent Action Plan. Deutschland will bis 2030 eine der europäischen KI-Gigafabriken beheimaten. Frankreich und Mistral bauen tatsächlich Infrastruktur statt nur Papier. Die europäischen KI-Investitionen stiegen 2025 auf 21,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das ist nicht nichts. Aber es ist auch nicht genug, um den Rückstand in absehbarer Zeit aufzuholen.

Was ich erwarte: Europa wird nicht im KI-Training der Frontier Models mitspielen. Das haben die USA gewonnen, und das ist auch gar nicht der richtige Wettbewerb. Die nächste Grenze liegt bei vertikalen Anwendungen in Bereichen, wo europäische Datensouveränität und europäische Werte tatsächlich einen Wettbewerbsvorteil darstellen: Gesundheit, Energie, Recht, spezialisierte Industrieproduktion, öffentliche Verwaltung. Bereits 75 Prozent der europäischen KI-Investitionen zielen auf hochwertige Anwendungen in Gesundheit, Energie, Verteidigung und Fintech ab. Das ist die richtige Richtung.

Ich habe das schon 2025 geschrieben, in einem Artikel der die Technik-Skepsis in der DACH-Region analysiert: Warum Technik in Österreich und Deutschland oft als Bedrohung gilt und nicht als Chance. Die Diagnose ist dieselbe: Wir sehen Risiken schneller als Möglichkeiten. Das ist kulturell tief verwurzelt. Es ist auch der einzige Aspekt, den keine Strategie und keine Gigafabrik direkt verändern kann. Der muss von innen kommen.

Werden meine Kinder erleben, dass irgendetwas einfacher wird?

Das ist die Frage, die mich wirklich beschäftigt. Nicht akademisch. Persönlich.

Tobias studiert Web & Mobile Development. Julian managt einen Einzelhandelsstore. Beide leben in einem Land, das digital vergleichsweise gut funktioniert. Und trotzdem: Der Arztbesuch läuft immer noch mit Papierkarte. Das Arbeitszeugnis kommt oft noch gedruckt. Viele Bankidentifikationen laufen über ausgedruckte Kopien.

Ich glaube, dass meine Kinder eine bessere digitale Infrastruktur erleben werden als ich sie hatte. Das ist die ehrliche Antwort, ohne Dramatisierung. Ich glaube aber auch, dass der Abstand zu dem, was möglich wäre und in anderen Teilen der Welt bereits normal ist, noch Jahre andauern wird.

Die ID Austria ist gut. Aber sie braucht Zeit, um das Leben wirklich zu vereinfachen. Der AI Act hat gute Absichten. Er braucht Nachschärfung, die gerade passiert. Deutschland baut Infrastruktur. Aber die Genehmigungsprozesse bremsen. Europa investiert. Aber primär in US-Plattformen.

Das eigentliche Problem ist keins, das man mit einem Gesetz oder einer Milliarde Euro löst. Es ist ein Mentalitätsproblem. Wir brauchen mehr Macher und weniger Strategiepapiere. Mehr Tobias-Januschewskys, die etwas bauen, und weniger Konferenzen, auf denen über das Bauen gesprochen wird.

Und noch etwas: Die beste Antwort auf die Frage, wie weit wir zurück sind, gibt nicht der nächste EU-Gipfel. Sie gibt das, was EPU, KMU und Einzelpersonen in Österreich und Deutschland heute, ohne auf bessere Rahmenbedingungen zu warten, mit verfügbaren Tools tun. Wer KI jetzt produktiv einsetzt, wer seine Workflows automatisiert, wer seine Search Everywhere Optimization (nicht GEO, nicht AEO, sondern Search Everywhere Optimization) ausbaut, der sitzt in zwei Jahren nicht in der Nachzügler-Gruppe.

Du kannst warten, bis Europa fertig diskutiert hat. Oder du fängst jetzt an.

Das ist meine ehrliche Einschätzung. Sie kann sich ändern. Ich hoffe, sie muss es.

Externe Quellen und weiterführende Links:

ID Austria & eGovernment Österreich:

Deutschland OZG & Digitalisierung:

EU AI Act & Regulierung:

KI-Infrastruktur & globaler Wettbewerb:

Fachkräftemangel:

Ausblick:

Hinweis zur KI-Nutzung: Themen und Thesen stammen von mir, KI hilft bei Struktur und Rechtschreibung. Redaktionelle Verantwortung bleibt vollständig bei mir. Wie dieser Blog entsteht →

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about.me
Alex Januschewsky – Zertifizierter KI-Beauftragter und Werbefachmann
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky ist Werbefachmann, zertifizierter KI-Beauftragter (ISO 42001, EU AI Act-Konformität) und Microsoft MVP Alumni. Seit 1989 in Werbung und Design aktiv, spezialisiert auf den professionellen Einsatz von Generativer KI: kreativ, strategisch, praxisnah. Seit über 30 Jahren entwickle ich Kommunikation, die nicht auf Hype setzt, sondern auf echte Wirkung. Klar, klug und mit einem tiefen Verständnis für Technologie und Sprache. In diesem Blog teile ich Ideen, Impulse und erprobtes Wissen für Unternehmer, Entscheider und KI-Enthusiasten, die mehr wollen als Schlagwörter und bunte Versprechen.

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Alex Januschewsky, Prompt Rocker, wohnhaft in Salzburg, tätig in Österreich
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