„KI ist scheiße.“ „Das kann nix.“ „Nach Dotcom die nächste Blase.“ Wenn ich morgens meinen Kaffee trinke und durch die sozialen Netzwerke scrolle, habe ich oft das Gefühl, in einer Zeitschleife festzustecken. Eine „temporale Anomalie“ wie der „Trekkie“ in mir sagt. Es ist 2026! Wir haben Werkzeuge in der Hand, von denen Science-Fiction-Autoren vor zwanzig Jahren nicht einmal zu träumen wagten. Und was machen wir? Wir verteilen lachende Smileys unter fundierten Expertenbeiträgen und verhalten uns wie die Kutscher, die damals die ersten Automobile mit Mistgabeln vom Dorfplatz jagen wollten.
Ich kenne dieses Spiel. Ich bin Werbegrafiker seit 1989. Ich habe noch in Reprostudios gearbeitet, als man „Klebeumbrüche“ machte und sich ernsthaft über „Hurenkinder“ und „Schusterjungen“ unterhielt – und nein, das war damals kein Fall für das Jugendamt, sondern hocheffiziente Typografie. Dann kam der Computer. Plötzlich stand da dieser Apple Macintosh SE/30 mit seinem winzigen Schwarz-Weiß-Bildschirm. Er war kaum leistbar, aber er war da. Auf dieser Kiste habe ich mein erstes Buch gesetzt. Heute bin ich Brillenträger, wahrscheinlich ein spätes Geschenk dieses kleinen Monitors, aber ich bereue nichts. „Danke Steve Jobs!“ 😉

Wer nicht lernt, geht unter: Die harte Lektion des Desktop Publishing
In meiner Branche gab es damals zwei Lager. Die einen, die neugierig an den Reglern drehten, und die anderen, die sich stur weigerten, den Schritt in Richtung DTP zu machen. „Das wird sich nie durchsetzen“, hieß es. „Die Qualität eines echten Handsatzes erreicht so ein Kasten nie.“ Wo sind diese Leute heute? Die meisten von ihnen wurden arbeitslos. Nicht, weil die Technik böse war, sondern weil sie sich geweigert haben, zu lernen.
Ich wollte immer lernen. Und genau deshalb sehe ich die heutige KI-Debatte mit einer Mischung aus Amüsement und Sorge. Diese abartige Skepsis gegenüber allem, was neu ist, scheint tief in unserer DNA verwurzelt zu sein. Ob es nun das Elektroauto ist, die lebensrettende Impfung oder eben die Generative KI: Sobald sich etwas fundamental ändert, geht die Abwehrhaltung hoch. „Diesel Dieter“ und „Benzin Brigitte“ fühlen sich in ihrer Weltanschauung bedroht, und das Internet gibt ihnen die Bühne, ihren Frust ungefiltert in die Welt zu brüllen.
Der Reflex der Angst und die Psychologie der Ablehnung im Jahr 2026
Man muss kein Psychologe sein, um zu erkennen, dass hinter dem Hass oft schiere Angst steckt. Angst vor dem Kontrollverlust, Angst vor dem Unbekannten und vor allem die Angst, den eigenen Status zu verlieren. Wenn ein Algorithmus plötzlich Texte schreibt, Bilder generiert oder komplexe Probleme löst, für die man früher jahrelange Ausbildung brauchte, rüttelt das am Selbstwertgefühl. Die Reaktion darauf ist selten Neugier, sondern meistens Aggression.
Diese Aggression entlädt sich dann in den „Deppensmileys“ (gemeint ist der lachende Smiley unter geteilten Beiträgen, die eigentlich nicht lustig sind). Es ist die einfachste Form der Diskreditierung: Wenn man keine Sachargumente hat, lacht man den Experten einfach aus. Das haben wir bei der Pandemie gesehen, das sehen wir beim Klimawandel, und das sehen wir jetzt massiv bei der Künstlichen Intelligenz. Es ist die Verweigerung der Realität, verpackt in ein gelbes Emoji. Dabei ignorieren diese Leute, dass die Welt sich weiterdreht, egal wie laut sie lachen.
2026: Wir leben in der Zukunft, denken aber wie im Mittelalter
Wir schreiben das Jahr 2026. Wir nutzen LLMs, die fast menschliche Reasoning-Fähigkeiten besitzen, wir generieren fotorealistische Videos in Sekunden und steuern komplexe Workflows per Sprachbefehl. Dennoch wird KI oft noch so behandelt, als wäre sie ein billiger Partytrick. „Das ist doch nur Statistik“, hört man dann. Ja, sicher. Und ein Auto ist nur ein Haufen geschmolzenes Eisen, der kontrolliert explodiert. Die Reduzierung auf die technische Basis dient nur dazu, die revolutionäre Wirkung kleinzureden.
Die Geschichte wiederholt sich hier eins zu eins. Als die ersten Taschenrechner in die Schulen kamen, prophezeiten Mathematiklehrer den Untergang des Abendlandes. Niemand würde mehr rechnen können, die Gehirne würden verkümmern. Was ist passiert? Wir haben aufgehört, Zeit mit stumpfsinnigem Kopfrechnen zu verschwenden und angefangen, uns auf höhere Mathematik und Problemlösung zu konzentrieren. Die KI ist heute unser Taschenrechner für kreative und kognitive Prozesse.
Die Parallelen zur Automobilgeschichte: Benzin im Blut, aber kein Hirn im Kopf?
Der Vergleich mit den Pferdekutschern ist heute relevanter denn je. Damals war der Treibstoff für die ersten Autos nur in der Apotheke erhältlich. Die Menschen lachten über die lärmenden, stinkenden Ungetüme, die ständig liegen blieben. „Ein Pferd braucht nur Heu und Wasser, ein Auto braucht einen Mechaniker“, hieß es. Heute lachen wir über diese Einstellung. Und doch verhalten wir uns heute exakt genauso, wenn wir über die vermeintlichen Schwächen der KI spotten.
Natürlich halluziniert eine KI mal. Natürlich sind die rechtlichen Rahmenbedingungen noch ein Flickenteppich. Aber wer das als Grund nimmt, die gesamte Technologie abzuschreiben, hat den Schuss nicht gehört. Es ist ein Prozess. Ein Auto im Jahr 1890 war auch kein Sicherheitswunder. Aber es war der Anfang von etwas, das die Welt verändert hat. Wer 2026 immer noch behauptet, KI sei eine vorübergehende Modeerscheinung, ist der Kutscher, der die Peitsche schwingt, während der LKW an ihm vorbeizieht.
Warum die DACH-Region besonders unter der Skepsis leidet
Besonders bei uns in der DACH-Region ist die Skepsis fast schon Kulturgut. Wir lieben unsere Bedenken mehr als unsere Chancen. Während man in den USA oder in Asien einfach mal macht und schaut, wie weit man kommt, erstellen wir hier erst einmal einen Arbeitskreis für Ethik und Datenschutz, bevor die erste Zeile Code geschrieben ist. Versteh mich nicht falsch: Ethik und Recht sind wichtig. Aber wenn die Vorsicht zur Lähmung führt, haben wir ein Problem.
Diese „German Angst“ vor der KI führt dazu, dass wir den Anschluss verlieren. Während EPUs und KMUs in anderen Ländern ihre Effizienz mit KI-Tools massiv steigern, diskutieren wir hier immer noch darüber, ob ChatGPT uns alle arbeitslos macht. Spoiler: Die KI macht dich nicht arbeitslos. Aber der Mensch, der KI besser bedienen kann als du, wird es wahrscheinlich tun. Diese Realität ist hart, aber ehrlich. Und genau das ist mein Stil: Ich sage, was Sache ist, auch wenn es wehtut.
Social Media als Echokammer der Fortschrittsverweigerer
Die sozialen Netzwerke verstärken dieses Problem massiv. Algorithmen belohnen Empörung. Ein wütender Kommentar oder ein hämischer lachender Smiley generiert mehr Engagement als eine sachliche Analyse der neuen Transformer-Architektur. Das führt dazu, dass sich die Skeptiker in einer Blase der Bestätigung wiegen. Wenn „Diesel Dieter“ sieht, dass zehn andere Leute auch über KI lachen, fühlt er sich bestätigt. Er merkt nicht, dass er in einem digitalen Museum der ewig Gestrigen sitzt. Und wenn du oft auf X (Twitter) bist, dann bekommst du irgendwann auch Suizid-Gedanken.
Diese Dynamik ist gefährlich, weil sie den Diskurs vergiftet. Es geht nicht mehr um die Sache, sondern um die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Bist du Team „Fortschritt“ oder Team „Früher war alles besser“? In einer Welt, die sich so schnell entwickelt wie die unsere im Jahr 2026, ist Nostalgie jedoch ein schlechter Ratgeber. Wer sich weigert, die Werkzeuge der Gegenwart zu nutzen, wird in der Zukunft keine Rolle mehr spielen.
Die Rolle der Experten und das Problem mit der Glaubwürdigkeit
Es ist schmerzhaft zu sehen, wie echte Experten in den Kommentaren niedergemacht werden. Wissenschaftler, die Jahrzehnte geforscht haben, werden von Leuten belehrt, die ihren „Abschluss“ an der YouTube-Universität für Verschwörungstheorien gemacht haben. Bei der KI ist das nicht anders. Da werden komplexe neuronale Netze als „Copy-Paste-Maschinen“ bezeichnet, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen, was Latent Space oder In-Context Learning bedeuten.
Dieses Misstrauen gegenüber Expertise ist ein gesellschaftliches Gift. Wenn wir Fakten nur noch dann akzeptieren, wenn sie in unser Weltbild passen, verlieren wir die Fähigkeit zur Innovation. KI ist keine Glaubensfrage. Sie ist Mathematik, Informatik und mittlerweile ein integraler Bestandteil unserer Wirtschaft. Man muss sie nicht lieben, aber man muss sie als Realität anerkennen. Alles andere ist intellektuelle Arbeitsverweigerung.
Von der Angst zur Nutzung: Wie wir den Schalter umlegen können
Wie kommen wir aus dieser Nummer wieder raus? Der erste Schritt ist Bildung – aber ohne den erhobenen Zeigefinger. Wir müssen zeigen, was KI konkret für den Einzelnen tun kann. Nicht in Form von abstrakten Zukunftsszenarien, sondern in Form von echten Praxisfällen. Wenn „KMU-Chef Karl“ merkt, dass er durch KI fünf Stunden Büroarbeit pro Woche spart und endlich wieder mehr Zeit für seine Kunden hat, dann bröckelt die Skepsis.
Es geht darum, den Nutzen greifbar zu machen. KI ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug. Ein Hammer ist auch nicht „gut“ oder „böse“ – es kommt darauf an, ob man damit ein Haus baut oder jemandem den Schädel einschlägt. Wir müssen lernen, die KI als Partner zu sehen, der uns die mühsamen Aufgaben abnimmt, damit wir uns auf das konzentrieren können, was uns als Menschen ausmacht: Kreativität, Empathie und strategisches Denken.
Ethik und Recht: Die berechtigten Sorgen ernst nehmen
Trotz aller Polemik gegen die „Deppensmileys“ gibt es natürlich auch berechtigte Sorgen. Datenschutz, Urheberrecht und die Gefahr von Deepfakes sind reale Probleme, die wir lösen müssen. Der Unterschied zwischen einem konstruktiven Kritiker und einem „Diesel Dieter“ ist jedoch die Intention. Der eine will die Technologie besser und sicherer machen, der andere will sie einfach nur weg haben.
Wir brauchen eine ehrliche Debatte darüber, wie wir mit KI umgehen wollen. Was dürfen Maschinen entscheiden? Wem gehören die Daten? Das sind die Fragen, die wir 2026 mit Hochdruck beantworten müssen. Aber diese Debatte kann man nur führen, wenn man die Technologie grundsätzlich versteht und akzeptiert. Wer KI als „Hexenwerk“ ablehnt, wird an der Gestaltung der Regeln nicht beteiligt sein.
Die Zukunft gehört denen, die den Prompt beherrschen
Am Ende des Tages ist es ganz einfach: Die Welt wird nicht stehen bleiben, nur weil ein paar Leute in den sozialen Medien schmollen. Die KI-Revolution ist in vollem Gange und sie ist gekommen, um zu bleiben. Ob wir nun über ChatGPT, Midjourney oder neue spezialisierte LLMs sprechen – die Entwicklung ist rasant und unaufhaltsam.
Diejenigen, die heute über die „Deppensmileys“ lachen und sich stattdessen die Hände schmutzig machen, während sie lernen, wie man diese Werkzeuge effektiv nutzt, werden die Gewinner von morgen sein. Sie sind die neuen „DTP-Pioniere“, die als erste gelernt haben, ein digitales Werkzeug in die Hand zu nehmen, während die anderen noch am Lichttisch klebten. Der Rest wird sich in ein paar Jahren wundern, warum die Welt plötzlich so anders aussieht.
Es ist Zeit, die Skepsis abzulegen und die Neugier wiederzuentdecken. Die KI ist nicht unser Feind, sie ist die größte Chance unserer Generation, wenn wir sie klug einsetzen. Also, lassen wir die lachenden Smileys beiseite und fangen wir an zu arbeiten. Die Zukunft baut sich nicht von selbst – und schon gar nicht mit einer „Früher war alles besser“-Attitüde. Wir haben 2026. Packen wir es endlich an.
Wer heute noch glaubt, dass KI nur ein kurzer Hype ist, wird bald feststellen, dass er am digitalen Straßenrand steht, während die Karawane weiterzieht. Es geht nicht darum, blind jedem Trend hinterherzulaufen, sondern die Augen vor der Realität nicht zu verschließen. Fortschritt ist oft unbequem, ja. Er zwingt uns, umzudenken und liebgewonnene Gewohnheiten abzulegen. Aber am Ende ist es genau dieser Prozess, der uns als Gesellschaft weiterbringt. Die Geschichte zeigt: Die Skeptiker hatten zwar oft die lauteste Stimme, aber die Macher hatten am Ende immer recht.
Alles, was du über die KI-Evolution wissen musst
In einer Welt voller „Deppensmileys“ und unbegründeter Ängste ist es Zeit für ein bisschen Klarheit. Als jemand, der den Wechsel vom Lichttisch zum Desktop Publishing (DTP) überlebt hat, sage ich dir: Die KI ist nicht dein Feind, sondern dein neuer Turbo-Antrieb.
KI ist das ultimative Werkzeug, vergleichbar mit dem Sprung vom Klebeumbruch zum Desktop Publishing. Sie übernimmt die stumpfsinnige Fleißarbeit, damit du dich auf das konzentrieren kannst, was wirklich zählt: die Idee, die Strategie und das menschliche Gespür für Qualität.
Absolut nicht. Die wichtigste Fähigkeit heute heißt Prompting. Es geht darum, deine Gedanken klar zu formulieren und die KI wie einen hochbegabten Assistenten zu steuern. Deine Erfahrung als Profi hilft dir dabei, die Ergebnisse besser zu bewerten als jeder Anfänger.
Dein Auge für Typografie, Komposition und Logik ist wertvoller denn je. Die KI kann zwar Pixel schubsen, aber sie weiß nicht, warum ein Layout funktioniert. Dein Wissen über „Hurenkinder“ und „Schusterjungen“ ist die Basis, auf der die KI aufbaut.
Fang klein an. Nutze ChatGPT für ein Brainstorming oder Nano Banana für erste visuelle Entwürfe. Es ist wie damals beim SE/30: Du musst nicht alles am ersten Tag beherrschen. Spieltrieb schlägt hier jede Theorie.
Lass dich nicht von den „Diesel Dieters“ dieser Welt bremsen. Skepsis ist oft nur getarnte Angst vor dem Neuen. Zeig ihnen Ergebnisse, keine Theorien. Wenn sie sehen, wie viel Zeit du sparst, werden sie neugierig.
Nein, sie erweitert sie. Die KI ist wie ein unendlicher Vorrat an Skizzenblättern. Sie liefert dir in Sekunden Varianten, für die du früher Tage gebraucht hättest. Deine Kreativität entscheidet, welchen Weg ihr gemeinsam geht.
Es ist nie zu spät. Wir befinden uns immer noch in der Pionierphase der generativen KI. Wer heute startet, gehört immer noch zu den frühen Anwendern (Early Adopters), besonders in der DACH-Region.
Weil die Sprache das neue Interface ist. Früher musstest du wissen, welches Werkzeug in Photoshop wo liegt. Heute musst du wissen, wie du eine Aufgabe präzise beschreibst. Das ist eine Rückkehr zur klaren Kommunikation. Nachvollziehbare Anleitungen findest du in meinen Workshops.
Gerade die! KI gleicht das Spielfeld aus. Ein EPU oder KMU kann heute mit KI-Unterstützung Dinge leisten, für die man früher eine ganze Agentur gebraucht hat. Das ist eine riesige Chance für mehr Wettbewerbsfähigkeit.
Indem du neugierig bleibst. Abonniere keine Hype-Kanäle, sondern folge Leuten, die Praxisfälle und echte Beispiele zeigen. Also gerne auch mir 😉 Ausprobieren ist die beste Fortbildung.
Wer 1989 das DTP-Abenteuer gewagt hat, weiß, dass Fortschritt am Anfang wehtun kann, aber am Ende Freiheit bedeutet. Die KI ist genau diese Art von Befreiungsschlag. Wir haben die Werkzeuge, wir haben das Wissen und wir haben 2026. Es gibt keinen Grund, länger zu warten. Packen wir es an und zeigen den Skeptikern, was echte Innovation bedeutet.


