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——— aus der werkstatt

Gedanken

KI macht dich nicht zum Webentwickler. Sie macht dich nur schneller falsch.

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Ich sage dir heute etwas, das du vielleicht nicht hören willst: Mit Claude oder Gemini eine Webseite bauen können und Webentwicklung verstehen sind zwei verschiedene Dinge. Der Unterschied ist nicht sofort sichtbar. Er wird sichtbar, wenn du ihn am wenigsten gebrauchen kannst.

Ich arbeite täglich mit KI in der Webentwicklung. Nicht als Experiment, nicht als Hobby, sondern in echten Projekten, mit echten Kunden, echten Datenbanken und echtem Geld dahinter. Ich sage das nicht, um zu beeindrucken, sondern weil es wichtig ist für das, was ich jetzt schreibe: Ich weiß, was KI kann. Ich weiß auch, was sie nicht kann. Und der Abstand zwischen diesen beiden Punkten ist größer als der neue LinkedIn-Vibecoder mit 1.200 Followern dir weismachen will.

Die Illusion der funktionierenden Webseite

Das Gemeine an KI-generiertem Webcode ist, dass er aussieht, als würde er funktionieren.

Du gibst Claude einen Prompt, du bekommst HTML, CSS, ein bisschen JavaScript, vielleicht sogar ein PHP-Backend mit Datenbankanbindung. Du öffnest den Browser. Die Seite lädt. Du siehst ein Formular, ein Menü, eine schöne Headline. Alles da. Alles funktioniert.

Bis es das nicht mehr tut.

Der Fehler liegt nicht im Code, den du siehst. Er liegt in dem, was du nicht siehst. Er liegt in dem, was du nicht gefragt hast, weil du nicht gewusst hast, dass es eine relevante Frage ist. Er liegt in der Architektur-Entscheidung, die du in Sekunde 30 deines Projekts getroffen hast, ohne zu wissen, dass du gerade eine falsche Entscheidung triffst.

Das ist der Punkt, an dem es interessant wird.

Was KI in der Webentwicklung wirklich leistet

Ich mache das klar, weil ich kein KI-Skeptiker bin. Ich bin das Gegenteil.

KI ist in der Webentwicklung ein außerordentliches Werkzeug. Sie schreibt Boilerplate, den kein Mensch gerne schreibt. Sie generiert Standard-Komponenten, die früher Stunden gekostet haben. Sie überbrückt Sprachgrenzen zwischen Frameworks, die ein Entwickler nicht täglich benutzt. Sie erklärt Fehlermeldungen auf eine Art, die eine Google-Suche nie geschafft hätte. Sie refaktoriert Code sauber und schnell.

Gute Entwickler werden mit KI produktiver. Ich sage das aus eigener Erfahrung, nicht aus einem Whitepaper. Ich setze Claude Code täglich ein, ich habe eigene n8n-Workflows, ich baue Plugins, Deploy-Pipelines, Dashboards. Der Einsatz von KI hat meine Arbeitsgeschwindigkeit in bestimmten Bereichen verdoppelt, manchmal verdreifacht.

Aber das ist genau der Punkt. Es hat meine Produktivität erhöht. Nicht mein Wissen ersetzt.

Der Architekt-Fehler, der immer passiert

Hier ist, was ich beobachte: Wer KI für Webentwicklung einsetzt, ohne das handwerkliche Fundament zu haben, fragt die falschen Fragen.

Er fragt: „Wie baue ich ein Kontaktformular?“

Er fragt nicht: „Wie validiere ich die Eingaben serverseitig, bevor sie in die Datenbank kommen?“

Er fragt: „Wie speichere ich Nutzerdaten in MySQL?“

Er fragt nicht: „Welche Daten darf ich überhaupt speichern, wie lange, und wo liegt die Datenschutzerklärung, die das kommuniziert?“

Er fragt: „Wie baue ich einen Login?“

Er fragt nicht: „Was passiert bei Brute-Force-Angriffen auf diesen Login, und wie limitiere ich Login-Versuche?“

KI beantwortet die Fragen, die du stellst. Präzise, höflich, vollständig. Sie beantwortet nicht die Fragen, die du nicht gestellt hast, weil du nicht wusstest, dass sie relevant sind. Das ist kein Bug in der KI. Das ist ein Feature, das du falsch einsetzt.

Die Architektur-Entscheidungen, die über Skalierbarkeit, Wartbarkeit und Sicherheit entscheiden, trifft weiterhin ein Mensch. KI setzt um, was dieser Mensch vorgibt. Wenn der Mensch keine Ahnung hat, was er vorgibt, setzt KI präzise die falsche Entscheidung um.

Die Datenbank-Zeitbombe

Ich habe in der Praxis gesehen, was passiert, wenn jemand mit „KI habe ich alles selbst gebaut“ eine produktive Webseite mit Nutzerdaten betreibt.

MySQL-Tabellen ohne Indizes. Das heißt: Bei 100 Nutzern läuft alles. Bei 10.000 Nutzern fängt die Datenbank an zu kriechen. Bei 50.000 liegt sie flach. Nicht wegen der Hardware. Wegen einer Entscheidung, die in Woche eins getroffen wurde, als niemand über Skalierung nachgedacht hat, weil es keine 50.000 Nutzer gab.

Kein Foreign-Key-Constraint. Das heißt: Daten-Inkonsistenz, die sich über Monate aufbaut und irgendwann zu einem Datensalat führt, der nicht mehr aufzulösen ist.

N+1-Query-Problem in der Logik, die die Produktliste lädt. Das heißt: Die Seite macht bei 20 Produkten 21 Datenbankabfragen statt einer. Merkt man nicht, wenn man allein testet. Merkt man, wenn zehn Nutzer gleichzeitig auf die Seite kommen.

Diese Fehler entstehen nicht, weil die KI schlechten Code schreibt. Sie entstehen, weil der Mensch, der die Prompts schreibt, nicht weiß, dass diese Probleme existieren, also auch nicht danach fragt.

KI kann diese Probleme lösen. Sie löst sie nur, wenn jemand sie erkennt und den richtigen Prompt stellt.

Sicherheit: Der Teil, den du weglässt, weil er langweilig ist

Dieser Abschnitt ist keine Theorie. Das ist, was ich gesehen habe.

SQL-Injection-Lücken in Kontaktformularen. Cross-Site-Scripting, weil User-Input ungefiltert in den HTML-Output geht. Passwörter, die im Klartext in der Datenbank stehen, weil „das Formular verschlüsselt ja die Verbindung“ mit der HTTPS-Verschlüsselung verwechselt wurde, was etwas fundamental anderes ist.

Und das Allerschlimmste: Admin-Bereiche, die per Security-by-Obscurity „gesichert“ sind. Also: Der Login ist auf /admin123 versteckt. Das ist kein Schutz. Das ist ein schlechtes Versteckspiel.

KI schreibt auf Anfrage sicheren Code. Wenn du fragst. Wenn du weißt, dass du fragen musst.

Das ist die ehrlichste Wahrheit über KI-gestützte Webentwicklung ohne Fachwissen: Du bekommst eine Webseite, die für dich aussieht wie jede andere Webseite. Für jemanden mit dem richtigen Scan-Tool sieht sie aus wie ein offenes Haus.

Und dann ist da noch die DSGVO. Wer personenbezogene Daten verarbeitet, also jedes Kontaktformular, jeder Login, jeder Newsletter-Eintrag, trägt dafür die rechtliche Verantwortung. Nicht der KI-Anbieter. Nicht das Tool. Du. Eine fehlende Datenschutzerklärung, ein ungesichertes Formular, Daten auf einem Server ohne Auftragsverarbeitungsvertrag: Das sind keine theoretischen Probleme. Das sind Bußgeldtatbestände. Die österreichische Datenschutzbehörde ist seit 2023 deutlich aktiver als davor, und „ich habe das mit KI gebaut und nicht gewusst“ ist keine Rechtsgrundlage.

Der Moment, in dem es sichtbar wird

Der Unterschied zwischen einer professionellen Webseite und einer „Mit-KI-selbst-gebaut“-Webseite wird sichtbar an einem von drei Punkten.

Erstens: Beim ersten Skalierungsmoment. Die Kampagne läuft, der Traffic steigt, die Seite gibt nach. Nicht wegen des Servers. Wegen der Architektur.

Zweitens: Beim ersten Sicherheitsvorfall. Formular-Spam läuft auf, eine Bot-Attacke überfordert das System, oder jemand hat Nutzerdaten ausgeleitet. Dann zeigt sich, was gebaut wurde.

Drittens: Wenn jemand etwas ändern muss. Ein zweiter Entwickler, oder die Person selbst nach sechs Monaten, schaut in den Code und versteht ihn nicht mehr. Weil kein Konzept dahinter war. Weil kein Naming-Standard existiert. Weil der Code gewachsen ist wie eine Wildhecke, Prompt für Prompt, ohne Architektur.

Ich übertreibe leicht. Aber nur leicht.

Was das mit mir zu tun hat

Ich bin seit 1989 in der Branche. Ich war Microsoft MVP, ich war Adobe-Trainer, ich habe Projekte gebaut, als es noch kein Google gab. Ich sage das nicht, um nostalgisch zu klingen. Ich sage es, weil ich weiß, was Erfahrung bedeutet, wenn etwas schiefläuft.

Erfahrung ist nicht, dass du weißt, wie man etwas baut. Erfahrung ist, dass du weißt, wo es scheitert. Du erkennst die Probleme, bevor sie auftreten. Du fragst nach den Dingen, die der Kunde nicht fragt, weil er sie nicht kennt.

KI beschleunigt meine Arbeit erheblich. Ich nutze sie täglich, intensiv, in echten Projekten. Ich setze Claude Code ein, ich automatisiere mit n8n, ich baue eigene Workflows und Deploy-Stacks. Aber hinter jedem Prompt steht das Wissen, welcher Prompt gestellt werden muss.

Das ist kein romantisches Lob auf Handwerk um des Handwerks willen. Das ist eine sachliche Beschreibung dessen, wie KI tatsächlich funktioniert.

Was KI wirklich macht: Sie macht sichtbar

Hier ist meine These, und ich stehe dazu: KI macht gute Entwickler erheblich produktiver. Und sie macht schlechte Entscheidungen erheblich schneller.

Das war früher anders. Früher hat eine schlechte Architekturentscheidung Wochen gebraucht, um in Code zu münden. Heute passiert das in Stunden. Das bedeutet: Die Schutzfunktion „das dauert zu lang, also denke ich nochmal nach“ fällt weg.

Zur Klarheit, weil die Begriffe oft durcheinandergeraten: Vibecoding ist der Ansatz, Funktionalität durch intuitive Prompts und iteratives Ausprobieren zu erzeugen, ohne formales Programmierwissen. KI-gestützte Entwicklung ist die Integration von KI-Tools in einen professionellen Entwicklungsprozess mit Architekturverständnis, Code-Review und technischem Fundament. Beide produzieren manchmal Code, der aussieht, als käme er aus derselben Quelle. Die Unterschiede zeigen sich erst im Betrieb.

Ich beobachte das täglich als KI-Berater mit EPU und KMU in Österreich: Menschen investieren Stunden in das Prompting einer Funktion, die technisch sauber gebaut ist. Und ignorieren dabei die zehn architektonischen Fragen drumherum, die entscheiden, ob diese Funktion in einem Jahr noch wartbar ist.

Was du damit anfängst

Ich sage nicht, dass du KI nicht für Webentwicklung nutzen sollst. Ich nutze sie jeden Tag.

Ich sage: Kenne den Unterschied zwischen „KI hat das gebaut“ und „Ich habe das gebaut, mit KI als Werkzeug.“ Dieser Unterschied ist nicht kosmetisch. Er entscheidet darüber, ob du in einem Jahr noch weißt, was in deinem eigenen Projekt vorgeht.

Wenn du eine Webseite brauchst, die nur du nutzt, für einen begrenzten Zeitraum, mit überschaubarer Komplexität: Mach es mit KI. Lern dabei. Es ist eine großartige Art, Programmierkonzepte zu verstehen.

Wenn du eine Webseite brauchst, auf der Nutzerdaten liegen, die skalieren soll, die andere Menschen nutzen, die in zwei Jahren noch funktionieren muss: Dann brauchst du jemanden, der die Fragen stellt, die du nicht kennst. Nicht statt KI. Mit KI.

Das ist kein Plädoyer gegen neue Werkzeuge. Es ist ein Plädoyer dafür, zu wissen, was ein Werkzeug kann und was nicht. Ein Akkuschrauber ersetzt keinen Schreiner. Er macht den Schreiner schneller.

Du kannst warten, bis das Problem auftritt. Oder du verstehst jetzt, warum das Fundament wichtiger ist als die Fassade.

Und dann kommt noch der Inhalt dazu

Wenn das alles noch nicht genug ist, gibt es eine Steigerung. Die Webseite steht, der Code funktioniert halbwegs, und jetzt wird sie befüllt. Mit Texten, die auch KI geschrieben hat. Unbearbeitet, ungekürzt, direkt eingefügt.

Tools wie Ahrefs analysieren das. Automatisch, zuverlässig, gnadenlos. Und dann landet ein Mail in deinem Postfach, das du nicht haben willst. Kein menschlicher Anteil nachweisbar. Der ganze Text wird völlig irrelevant. Für dich, womöglich auch für Suchmaschinen. Und damit verlierst du potentielle Kunden.

Ein frustrierter Mann vor einem Laptop mit der Warnung „AI-generated content detected“ und einem Score von 12/100

Aber ehrlich gesagt braucht es das Tool nicht einmal. Diese Texte erkennst du als Mensch. Sie klingen wie alles und nichts. Kein Standpunkt, keine Stimme, keine Reibung. Sätze, die so gebaut sind, dass sie niemanden stören, und damit auch niemanden erreichen.

Das ist die Königsklasse einer verpfuschten Webseite: schlechte Architektur, fragwürdige Sicherheit, und obendrauf Inhalte, die jedem KI-Detektor auf der Welt sofort auffallen. Schnell gebaut. Schnell vergessen.

Was du jetzt tun solltest

KI ist kein Abkürzung zu Qualität. Sie ist ein Werkzeug, das Qualität beschleunigt, wenn Qualität bereits vorhanden ist. Eine Webseite, die mit KI gebaut, mit KI befüllt und ohne handwerkliches Fundament deployed wird, ist keine günstige Alternative zu professioneller Arbeit. Sie ist eine Zeitbombe mit hübschem Frontend.

Wenn du eine Webseite willst, die in zwei Jahren noch funktioniert, die skaliert, die Suchmaschinen ernst nehmen, und bei der kein Ahrefs-Report rot aufleuchtet: Dann ruf jemanden an, der weiß, wie man KI richtig einsetzt. Nicht statt Erfahrung. Mit Erfahrung.

Wenn du dir nicht sicher bist, wo dein aktuelles Projekt steht, kann ich mir das gerne ansehen. Kein Pitch, keine Agenda. Nur ein ehrlicher Blick von jemandem, der täglich damit arbeitet.

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Alex Januschewsky – Zertifizierter KI-Beauftragter und Werbefachmann
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky ist Werbefachmann, zertifizierter KI-Beauftragter (ISO 42001, EU AI Act-Konformität) und Microsoft MVP Alumni. Seit 1989 in Werbung und Design aktiv, spezialisiert auf den professionellen Einsatz von Generativer KI: kreativ, strategisch, praxisnah. Seit über 30 Jahren entwickle ich Kommunikation, die nicht auf Hype setzt, sondern auf echte Wirkung. Klar, klug und mit einem tiefen Verständnis für Technologie und Sprache. In diesem Blog teile ich Ideen, Impulse und erprobtes Wissen für Unternehmer, Entscheider und KI-Enthusiasten, die mehr wollen als Schlagwörter und bunte Versprechen.

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Alex Januschewsky, Prompt Rocker, wohnhaft in Salzburg, tätig in Österreich
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