——— aus der werkstatt

Vibe Coding

Cursor ist weg. Und Musk hat das wieder mal nicht erfunden, er hat es nur gekauft.

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Ich schreibe diesen Artikel mit einer klaren Meinung über Elon Musk. Wer das nicht mag, kann jetzt aufhören zu lesen. Allen anderen sage ich: Das hier ist kein Tech-Blog über einen spannenden Deal. Das hier ist eine Abrechnung mit einem Mythos.

SpaceX hat diese Woche einen Fusionsvertrag mit Anysphere unterzeichnet, der Firma hinter dem KI-Code-Editor Cursor, für 60 Milliarden Dollar in eigenen Aktien. Für mich als KI-Berater, der seit Jahren EPU und KMU begleitet, ist das der Moment, wo ich sage: Es reicht. Cursor kommt mir nicht mehr ins Haus. Und ich erkläre dir, warum das für dich genauso gelten sollte.

Meine Position, klar formuliert: Wer Tools einsetzt, die Elon Musk gehören, finanziert ein Ökosystem, dem ich aus sachlichen Gründen nicht vertraue, und überlässt diesem Ökosystem seine Daten. Das ist kein Lifestyle-Statement. Das ist Risikomanagement.

Wer ist dieser Mann wirklich?

Das Bild, das die Öffentlichkeit von Elon Musk hat, ist das eines genialen Selfmade-Gründers, der Raketentechnik revolutioniert, Elektroautos massentauglich gemacht und die KI-Welt aufgemischt hat. Das ist ein Mythos. Kein böswillig erfundener, aber ein Mythos.

Fangen wir mit den Fakten an.

Tesla Motors wurde am 1. Juli 2003 von den Ingenieuren Martin Eberhard und Marc Tarpenning gegründet. Elon Musk stieg erst im Februar 2004 als Hauptinvestor ein und brachte rund 6,5 Millionen Dollar mit. 2007 wurde Eberhard vom Vorstand degradiert, 2008 verließen er und Tarpenning das Unternehmen, das sie aufgebaut hatten, unfreiwillig. Der Mann, der heute als „Tesla-Gründer“ durch die Welt geht, hat das Unternehmen nicht gegründet. Er hat die Gründer rausgedrängt. Das ist der Unterschied.

Twitter: Musk kaufte den Dienst 2022 für 44 Milliarden Dollar. Gekauft. Nicht aufgebaut. Und seit der Umbenennung in X sogar irgendwie „zerstört“.

Cursor: 60 Milliarden Dollar. Gekauft. Nicht aufgebaut.

Bis 2026 überschritt die Zahl der zahlenden Nutzer von Cursor die Marke von 1 Million, wobei mehr als die Hälfte der Fortune-500-Unternehmen zu seinen Kunden gehörte. Der jährlich wiederkehrende Umsatz überstieg 2 Milliarden Dollar, was den schnellsten Rekord in der Geschichte der B2B-Software darstellt. Das haben vier MIT-Absolventen aus dem Nichts aufgebaut. Nicht Musk.

SpaceX hat Musk tatsächlich selbst gegründet, das stimmt. Mit dem Geld aus dem PayPal-Verkauf. Und PayPal war nicht sein Unternehmen, es entstand aus der Fusion seines X.com mit Confinity, dem eigentlichen Unternehmen hinter dem PayPal-Produkt. Er war einer von mehreren. Das Narrativ des einsamen Genies, das alles erschaffen hat, stimmt schlicht nicht.

Dazu kommt die Frage des Startkapitals. Errol Musk hatte als Maschinenbauingenieur und Berater ein Vermögen in Südafrika gemacht. Er hatte Anteile an mehreren Minen, darunter eine Smaragdmine in Sambia. Um Geld mussten sich seine Kinder keine Sorgen machen. Musk selbst hatte gegenüber Forbes im Jahr 2014 gesagt: „Das klingt verrückt, aber mein Vater war auch Teilhaber einer Smaragdmine in Sambia“. Dasselbe Musk hat später behauptet, von all dem nichts gewusst zu haben.

Ich sage nicht, dass Musk dumm ist oder ohne Ehrgeiz. Das wäre unehrlich. Aber der Selfmade-Mythos, der „Visionary aus dem Nichts“, das ist eine Marketingkonstruktion.

Was der Cursor-Deal wirklich ist

SpaceX hat einen Fusionsvertrag mit Anysphere unterzeichnet, der Firma hinter dem KI-Code-Editor Cursor, für 60 Milliarden Dollar in eigenen Aktien. SpaceX hatte bereits einen Deal mit Cursor laufen, der die Option enthielt, entweder 10 Milliarden Dollar für Leistungen zu zahlen oder das Unternehmen für 60 Milliarden Dollar komplett zu übernehmen. Nach dem IPO war die Entscheidung einfach.

Was steckt dahinter? SpaceX hat in seinem eigenen Börsenprospekt bei der SEC explizit erklärt, dass der Zugriff auf Entwicklerdaten von Cursor, einschließlich Programmieranfragen und Designentscheidungen, dazu beitragen könnte, die eigenen KI-Modelle wie Grok zu verbessern. Das steht nicht in einem Gerücht. Das steht im offiziellen SEC-Filing des Unternehmens selbst.

Was das konkret bedeutet: Jeder Code, den du heute in Cursor schreibst, jede Architekturentscheidung, jedes Refactoring, könnte laut SpaceX eigenem IPO-Prospekt als Trainingsmaterial für Grok dienen. Ob und in welchem Umfang das tatsächlich passiert, entscheidet künftig nicht mehr ein unabhängiges Startup, sondern ein Konzern, dessen strategische Interessen du dir in einem SEC-Filing nachlesen kannst.

Damit hat SpaceX die komplette Wertschöpfungskette: Daten aus Cursor, Rechenkapazität mit Colossus, eigenes Modell mit Grok, und das Interface für Millionen Entwickler täglich. Vertikal integriert, von oben bis unten.

Und der Vollständigkeit halber: Alle vier großen Code-Editoren sind nach diesem Deal an Tech-Konzerne gebunden. Visual Studio Code an Microsoft und Copilot, Antigravity an Google Cloud und Gemini, Kiro an Amazon Web Services, und Cursor nun an Colossus und Grok. Kein einziger ist noch neutral.

Warum ich #NoMusk ernst meine

Ich tue das nicht aus Lifestyle-Gründen. Ich empfehle meinen Klienten seit Jahren, keine Produkte von Unternehmen einzusetzen, bei denen politische Agenda, Datenkontrolle und unternehmerisches Verhalten ein strukturelles Risiko darstellen. Diese Empfehlung gilt für europäische Unternehmen genauso wie für meine eigene Praxis.

#NoMusk ist kein Hashtag gegen eine Person. Es ist ein Hashtag für eine Entscheidungshaltung. Wer KI-Tools einsetzt, trifft eine Entscheidung, wessen Ökosystem er stärkt, wessen Modelle er trainiert, und wessen Weltbild er damit finanziert. Das ist eine legitime Geschäftsentscheidung, keine politische Parole.

Ich arbeite seit 35 Jahren in der Kommunikationsbranche, habe als ehemaliger Microsoft MVP über Jahre Tech-Entwicklungen begleitet und beobachte seit März 2023 intensiv, wie sich das KI-Ökosystem entwickelt. Meine Einschätzung:

Die Machtkonzentration, die hier entsteht, ist langfristig ein Problem für jeden, der digitale Souveränität ernst nimmt.

Was funktioniert stattdessen?

Ich habe das durchgearbeitet, weil ich selbst eine klare Empfehlung brauche.

Zed ist eine Empfehlung. Zed ist von Grund auf in Rust entwickelt, vollständig Open Source unter GPL v3, mit GPU-beschleunigtem Rendering und dem Agent Control Protocol (ACP), einem offenen Standard für externe Agenten, der von mehr als 20 Tools unterstützt wird. Du kannst Claude Code, Codex oder Gemini CLI direkt einbinden, ohne an einen einzigen Anbieter gebunden zu sein. Zed startet in 94 Millisekunden, verwendet einen Bruchteil des Speichers jedes Electron-basierten Editors und läuft wesentlich flüssiger bei großen Projekten. Das ist Modellfreiheit, wie Cursor sie mal hatte.

VSCodium ist die zweite Option für alle, die ihren VS-Code-Workflow behalten wollen. VSCodium ist aus dem Open-Source-Code von VS Code gebaut, ohne Microsofts proprietäre Bits oder Tracking, unterstützt trotzdem dieselben Extensions und bezieht diese aus der Open VSX Registry der Eclipse Foundation. Keine Überraschungen, keine Konzernabhängigkeit.

Claude Code ist für alle, die primär mit Claude arbeiten (so wie ich). Es ist das ehrlichste Werkzeug: kein Ökosystem-Play, keine versteckten Trainingsinteressen, direkt im Terminal oder als VS Code Extension, ohne eigenen Fork. Claude Code erreicht 80,8 Prozent auf dem SWE-bench Verified Benchmark. Das ist keine Werbung, das sind Zahlen.

Cline bleibt ebenfalls eine gute Option: Open Source, VS-Code-kompatibel, funktioniert mit lokalen Modellen über Ollama.

Was das für Vibe Coder bedeutet

Wer heute Vibe Coding als Methode lehrt, empfiehlt und praktiziert, muss diese Entscheidung mitdenken. Ein Tool zu empfehlen, dessen Roadmap morgen von Grok bestimmt wird, und dessen Nutzerdaten heute schon für Grok-Training reserviert sind, ist eine Empfehlung mit Konsequenzen.

Das gilt genauso für alle, die Cursor bisher einfach als „das beste Tool“ eingesetzt haben, ohne darüber nachzudenken, was im Hintergrund passiert. Das war bisher eine tolerierbare Grauzone. Die ist jetzt weg.

Wir haben in der DACH-Region eine starke Tradition, bei digitaler Infrastruktur auf Souveränität zu achten. DSGVO, Datenschutz, Server-Standort: Das sind keine bürokratischen Hürden, das sind Ausdrücke einer Haltung. Diese Haltung sollte auch für KI-Tools gelten.

Häufige Fragen zu Cursor, SpaceX und #NoMusk

Hat Musk SpaceX wirklich selbst gegründet?

Ja, SpaceX hat er 2002 tatsächlich gegründet. Das ist einer der wenigen Punkte, bei dem das Gründer-Narrativ stimmt. Den Rest, Tesla, Twitter, Cursor, xAI-Fusion, hat er gekauft oder war Investor, nicht Ursprungs-Gründer.

Kann ich Cursor noch weiternutzen, bis die Übernahme abgeschlossen ist?

Die Transaktion soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Technisch ändert sich bis dahin nichts. Aber wer jetzt noch neu einsteigt, kauft sich wissentlich in ein Ökosystem ein, das sich klar angekündigt hat, wohin die Reise geht.

Ist Grok als Coding-Modell gut genug, um Claude zu ersetzen?

Für Geschäftskunden können Claude und GPT Grok derzeit deutlich schlagen. Bei der Kosteneffizienz kann Grok auch nicht mit Open-Source-Modellen wie DeepSeek konkurrieren. Die Übernahme ist kein Qualitäts-Argument. Sie ist ein Daten- und Kontroll-Argument.

Was ist der wichtigste technische Unterschied zwischen Zed und Cursor?

Cursor baut darauf, dass KI im Mittelpunkt der Editing-Erfahrung stehen soll. Zed baut darauf, dass der Editor schnell, offen und kollaborativ sein soll, mit KI als mächtigem Zusatz. Zed ist außerdem vollständig Open Source, was bedeutet, du kannst genau sehen, wie dein Code behandelt wird. Bei Cursor war das nie der Fall.

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about.me
Alex Januschewsky – Zertifizierter KI-Beauftragter und Werbefachmann
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky ist Werbefachmann, zertifizierter KI-Beauftragter (ISO 42001, EU AI Act-Konformität) und Microsoft MVP Alumni. Seit 1989 in Werbung und Design aktiv, spezialisiert auf den professionellen Einsatz von Generativer KI: kreativ, strategisch, praxisnah. Seit über 30 Jahren entwickle ich Kommunikation, die nicht auf Hype setzt, sondern auf echte Wirkung. Klar, klug und mit einem tiefen Verständnis für Technologie und Sprache. In diesem Blog teile ich Ideen, Impulse und erprobtes Wissen für Unternehmer, Entscheider und KI-Enthusiasten, die mehr wollen als Schlagwörter und bunte Versprechen.

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Alex Januschewsky, Prompt Rocker, wohnhaft in Salzburg, tätig in Österreich
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