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Gemini Gems werden abgedreht: Was der Umstieg auf Skills für EPU und KMU bedeutet

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Am 8. August ist in der Gemini-Weboberfläche ein Hinweis aufgetaucht, den offiziell noch niemand sehen sollte: hinter einem Feature-Flag versteckt, ohne Blogpost, ohne Pressemitteilung. Inhalt: Die Gems werden am 20. Oktober abgedreht, bitte Inhalte sichern und als Skills neu anlegen. Meine Einschätzung: Für EPU und KMU im deutschsprachigen Raum ist das kein Umstieg, sondern eine ersatzlose Streichung. Ich zeige dir, was in dem Hinweis steht, warum der angebliche Nachfolger bei uns gar nicht verfügbar ist, und wie du deine Gems in einer knappen halben Stunde absicherst, bevor irgendein Datum wirklich zuschlägt.

Fangen wir bei dem an, was tatsächlich belegt ist, und trennen es sauber von dem, was Interpretation bleibt.

Was steht in dem Hinweis, und wie sicher ist er?

Der Banner ist kurz: Gems laufen am 20. Oktober aus, man solle seine Gem-Inhalte speichern oder sie als Skills neu erstellen, damit die eigenen Workflows weiterlaufen. Daneben sitzt ein Button mit der Aufschrift „Manage skills“. Gefunden wurde das Ganze im Quellcode der Gemini-Weboberfläche, ausgespielt wurde es bisher an niemanden.

Gems Content Übersicht
Bild von testingcatalog.com: Der Hinweis auf die Abschaltung, entdeckt hinter einem Feature-Flag in der Gemini-Weboberfläche. Ausgespielt wurde er bisher an keinen einzigen Nutzer.

Wichtig für die Einordnung: Google hat sich dazu bis heute nicht geäußert. Ein Banner hinter einem Feature-Flag ist eine Vorbereitung, keine Zusage. Das Datum kann sich verschieben, der Plan kann gekippt werden, die Formulierung kann sich noch ändern. Ich bin mir da nicht hundertprozentig sicher, aber mein Eindruck aus den letzten zwei Jahren ist: Was bei Google fertig genug ist, um als Text im Frontend zu liegen, kommt in der Regel auch.

Google zieht damit binnen weniger Monate zum zweiten Mal an derselben Stelle um. Im Dezember wurden die Workflows aus dem Labs-Experiment Opal in den Gems-Manager einsortiert und als Super Gems verkauft. Wer damals umgestellt hat, stellt jetzt wieder um.

Der Punkt, der in der ganzen Debatte untergeht: Nicht das Ende der Gems ist das Problem, sondern die Tatsache, dass der Nachfolger in Österreich, Deutschland und der Schweiz überhaupt nicht verfügbar ist.

Gems, Skills, Spark: Was ist eigentlich was?

Drei Begriffe, die im selben Satz vorkommen und drei völlig verschiedene Dinge meinen:

Gems sind vorkonfigurierte Versionen von Gemini. Du hinterlegst einmal Instruktionen, hängst optional bis zu zehn Dateien oder Drive-Dokumente als Wissensbasis dran, und sparst dir bei jeder Nutzung das Wiederholen desselben Prompts. Gems sind für alle gratis, auch im Free-Tarif, und sie funktionieren mit Workspace-Konten. In der offiziellen Gems-Dokumentation von Google ist das der Standardweg für wiederkehrende Aufgaben.

Skills sind wiederverwendbare Anweisungssätze für einen Agenten. Sie beschreiben nicht nur eine Rolle, sondern ein Verfahren: wie eine Spesenabrechnung abgearbeitet wird, wie ein Wochenreport entsteht. Konzeptionell ein Schritt weiter als Gems.

Gemini Spark ist die Umgebung, in der diese Skills leben. Ein Hintergrundagent, vorgestellt bei Google I/O am 19. Mai 2026, der Aufgaben zeitgesteuert oder ereignisgesteuert abarbeitet.

Der Unterschied zwischen den beiden Welten ist der eigentliche Knackpunkt, und er ist unbequem.

Warum trifft das EPU und KMU in Österreich härter als andere?

Skills setzen ein Google-AI-Pro- oder Ultra-Abo voraus. Sie laufen ausschließlich mit privaten Google-Konten, Arbeits- und Schulkonten werden nicht unterstützt. Und sie sind im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum, in Großbritannien, in der Schweiz und in Nigeria nicht verfügbar. Spark ist Ende Juli in über 160 Länder ausgerollt worden, an dieser Ausnahmeliste hat sich nichts geändert. Ein Termin für den EWR existiert nicht, eine Begründung hat Google nicht veröffentlicht.

Rechne das für einen typischen Salzburger Einpersonenbetrieb durch. Der arbeitet mit einem Workspace-Konto, also einem Arbeitskonto. Er sitzt im EWR. Er hat drei Gems im Einsatz: einen für Angebotstexte, einen für die Aufbereitung von Kundenprotokollen, einen für Social-Media-Entwürfe im eigenen Ton. Am 20. Oktober wären alle drei weg, und er könnte den offiziellen Nachfolger aus zwei voneinander unabhängigen Gründen nicht nutzen.

Das ist der Punkt, an dem es interessant wird: Eine kostenlose Anpassungsschicht wandert hinter ein kostenpflichtiges, geografisch gesperrtes Agentenprodukt. Für die USA ist das ein Upgrade. Für uns ist es Ersatzlosigkeit mit Ankündigung.

Was passiert mit Gems in Google Workspace?

Hier wird es für Betriebe mit mehreren Mitarbeitern richtig heikel. Google hat Gems zwei Jahre lang aktiv als Werkzeug für den Arbeitsplatz vermarktet: mit Anbindung an Drive und Gmail, mit vorgefertigten Business-Gems, mit Freigabefunktion im Team und einer eigenen Admin-Console-Einstellung für das Teilen von Gems. Seit April lassen sich Gems sogar als Schritt in Workspace-Studio-Flows einbauen.

Skills unterstützen Arbeitskonten gar nicht. Wenn ein Abschalttermin auch Workspace-Kunden erreicht, ist das kein Häkchen in den Einstellungen, sondern ein Migrationsprojekt mit Folgekosten. Und weil ein geteilter Gem in vielen Teams inzwischen die Rolle einer Arbeitsanweisung hat, hängt daran mehr als ein Prompt.

Ehrlich gesagt: Ich würde das gerne beruhigender formulieren, aber die Faktenlage gibt es nicht her. Der Hinweis betrifft nach aktuellem Stand die Gemini-Weboberfläche. Ob und wie Workspace betroffen ist, hat Google nicht gesagt.

Wie sicherst du deine Gems, bevor irgendein Datum zuschlägt?

Eine automatische Konvertierung ist nicht in Sicht. Google schreibt in der Dokumentation zu den Labs-Gems selbst, dass klassische Gems derzeit nicht in das neue Format umgewandelt werden können. Wer viel gebaut hat, baut von Hand nach. Also: nicht warten, sondern in der nächsten ruhigen Stunde erledigen.

  1. Inventur machen. Öffne den Gems-Manager auf gemini.google.com und schreib alle eigenen Gems auf, inklusive der geteilten. Erfahrungsgemäß sind es deutlich weniger, als man im Kopf hat.
  2. Instruktionen im Volltext exportieren. Jeden Gem öffnen, den kompletten Instruktionstext in eine eigene Textdatei kopieren. Kein Screenshot, sondern Text, den du wieder einfügen kannst. Dateiname nach Schema: gem-angebotstexte.md.
  3. Wissensdateien sichern. Die unter „Knowledge“ hinterlegten Uploads liegen nicht zwingend noch in deinem Drive. Alles, was nur dort hängt, herunterladen und im gleichen Ordner ablegen wie die Instruktion.
  4. Ablage außerhalb der Plattform. Die Textdateien gehören in dein eigenes System: Git-Repository, Nextcloud, Obsidian-Vault, meinetwegen ein Ordner auf dem NAS. Wenn deine Prompt-Bibliothek in der Weboberfläche eines Anbieters wohnt, gehört sie faktisch dem Anbieter.
  5. Auf Portabilität umschreiben. Streich anbieterspezifische Formulierungen aus den Instruktionen. Ein sauber geschriebenes Briefing funktioniert in Gemini, in Claude und in einem lokalen Modell. Genau diese Übung ist der eigentliche Gewinn.
  6. Zweitgleis testen. Nimm deinen wichtigsten Gem und bau ihn in einem zweiten System nach. Nicht als Wechsel, sondern als Probe, wie lange das dauert. Stopp dabei die Zeit, das ist deine ehrliche Zahl für die Wechselkosten.

Diese Reihenfolge verwende ich in der Beratung mit EPU und KMU immer dann, wenn ein Anbieter ein Abschaltdatum in den Raum stellt.

Was heißt das strategisch für deine KI-Werkzeuge?

Der Vorgang reiht sich in ein Muster ein, das ich seit Monaten dokumentiere. Google hat im März Gemini 3 Pro ohne lange Vorlaufzeit aus dem Verkehr gezogen, OpenAI hat Kunden eine Migrationsfrist von fünfzehn Tagen gesetzt, und im Juni war ein Frontier-Modell drei Tage nach dem Start per Behördenentscheidung nicht mehr erreichbar. Die Ursachen sind völlig verschieden, das Ergebnis für den Betrieb ist jedes Mal dasselbe: Etwas, worauf ein Arbeitsablauf aufgebaut war, ist weg, und die Entscheidung darüber ist woanders gefallen.

Daraus folgt keine Empfehlung, Gemini zu verlassen. Ich nutze es täglich, und für Dokumentenanalyse und Deep Research ist es in meinem Setup schwer zu schlagen. Was daraus folgt, ist eine andere Ablagelogik: Deine Prompts, deine Instruktionen, deine Wissensdateien sind Betriebsvermögen. Sie gehören dorthin, wo du sie kontrollierst. Die Plattform ist der Motor, nicht der Tresor.

Und noch ein Gedanke, der mir beim Schreiben gekommen ist: Wer seine Gems ordentlich dokumentiert hat, kann in zwanzig Minuten auf ein anderes System wechseln. Wer sie nur angeklickt hat, verliert Wochen. Der Unterschied ist keine Frage des Budgets, sondern der Ordnung. Das ist derselbe Hebel, der auch beim Einsatz von KI-Agenten im Einpersonenbetrieb den Ausschlag gibt.

Fragen zur Abschaltung der Gemini Gems

Nein. Der Hinweis wurde hinter einem Feature-Flag in der Gemini-Weboberfläche gefunden und war für Nutzer nicht sichtbar. Google hat sich öffentlich nicht dazu geäußert. Das Datum 20. Oktober kann sich verschieben oder ganz entfallen.

Nach derzeitigem Stand nicht. Googles eigene Hilfeseite hält fest, dass sich klassische Gems nicht in das neue Labs-Format konvertieren lassen. Der Hinweis im Banner spricht vom Neuerstellen, nicht vom Migrieren.

Derzeit nicht. Skills sind Teil von Gemini Spark, und Spark ist im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und in Großbritannien nicht verfügbar. Zusätzlich braucht es ein Google-AI-Pro- oder Ultra-Abo und ein privates Google-Konto.

Dazu gibt es keine Aussage. Der gefundene Hinweis bezieht sich auf die Gemini-Weboberfläche. Da Skills Arbeits- und Schulkonten nicht unterstützen, wäre eine Abschaltung im Workspace-Umfeld für Betriebe ein deutlich größerer Eingriff als für Privatnutzer.

Du kannst jetzt abwarten, ob das Banner jemals ausgespielt wird. Oder du machst in der nächsten freien Stunde die Inventur und hast das Thema für immer vom Tisch, egal welcher Anbieter als nächstes etwas abdreht.

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about.me
Alex Januschewsky – Zertifizierter KI-Beauftragter und Werbefachmann
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky ist Werbefachmann, zertifizierter KI-Beauftragter (ISO 42001, EU AI Act-Konformität) und Microsoft MVP Alumni. Seit 1989 in Werbung und Design aktiv, spezialisiert auf den professionellen Einsatz von Generativer KI: kreativ, strategisch, praxisnah. Seit über 30 Jahren entwickle ich Kommunikation, die nicht auf Hype setzt, sondern auf echte Wirkung. Klar, klug und mit einem tiefen Verständnis für Technologie und Sprache. In diesem Blog teile ich Ideen, Impulse und erprobtes Wissen für Unternehmer, Entscheider und KI-Enthusiasten, die mehr wollen als Schlagwörter und bunte Versprechen.

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Alex Januschewsky, Prompt Rocker, wohnhaft in Salzburg, tätig in Österreich
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