111 MB. So viel Arbeitsspeicher braucht RockerMail auf meinem Mac, mit vier Mailkonten, einem vollen Kalender und allen Kontakten. Gemessen in der Aktivitätsanzeige. RockerMail ist meine eigene Mail-App für den Mac, und sie ist das erste Programm, das ich nicht nur für mich schreibe. Seit dem 10. Oktober baue ich daran, mit Claude Code, und bei mir läuft sie bereits im internen Test. Jetzt brauch ich Leute, die sie auf ihren eigenen Macs zerlegen.
In diesem Artikel erfährst du, warum ich weder mit Apple Mail noch mit Outlook glücklich geworden bin, was RockerMail heute kann, wie die KI darin arbeitet und wie du einer der Beta-Tester wirst. Die Beta startet im Dezember. Anfangen muss ich bei den zwei Programmen, mit denen ich vorher gearbeitet hab.
- IMAP
- das Standardprotokoll, über das ein Mailprogramm die Mails beim Anbieter abholt und dort synchron hält.
- Ollama
- ein kostenloses Programm, das Sprachmodelle direkt auf dem eigenen Rechner ausführt, ohne Cloud.
- Prompt Injection
- ein Angriff, bei dem in einem Text versteckte Befehle stehen, die eine KI für echte Anweisungen hält.
- Beta-Test
- die Phase, in der eine fast fertige Software von ausgewählten Leuten im echten Alltag getestet wird, bevor sie offiziell erscheint.
Warum baue ich mir eine eigene Mail-App?
Apple Mail war mir immer zu basic. Es holt Mails ab, zeigt sie an, fertig. Kalender, Kontakte und Erinnerungen sind bei Apple eigene Programme, und ich springe den ganzen Tag zwischen drei, vier Fenstern hin und her. Für jemanden, der mit Kunden, Terminen und Aufgaben jongliert, ist das zu wenig.
Outlook am Mac ist das andere Extrem. Ich war von 2005 bis 2011 Microsoft MVP, mir muss niemand erklären, was das Programm alles kann. Auf meinen Macs war Outlook ein Speicherfresser, vollgepackt mit Funktionen, die ich nie gebraucht habe. Und dann ist da noch ein Detail, das viele nicht wissen: Wer in Outlook für Mac ein Gmail- oder iCloud-Konto hinzufügt, synchronisiert es standardmäßig über die Microsoft Cloud. Laut der Microsoft-Anleitung zur Synchronisierung mit der Microsoft Cloud liegt dann eine Kopie von Mails, Kalender und Kontakten in den Rechenzentren von Microsoft. Man kann das beim Einrichten abwählen, aber man muss es wissen.
Ich bin Berater, ich arbeite mit Kundendaten, und mir ist DSGVO kein lästiges Häkchen. Eine dritte Firma zwischen meinem Postfach und mir will ich nicht.
Ich wollte eine Mail-App, die Mail, Kalender, Kontakte und Aufgaben in einem Fenster zeigt, direkt mit Microsoft, Google und Apple spricht und dabei so wenig Platz braucht, dass ich sie vergesse.
Was ändert sich, wenn ich für andere baue statt für mich?
Ich baue seit Monaten Software mit Claude Code. VINCI, mein persönlicher KI-Assistent. WinBar, meine eigene Windows-Leiste mit Live-Widgets. Den PC Monitor auf dem Zusatzbildschirm, die Widgets für mein Stream Deck, DeckOS, mein eigenes Betriebssystem für den LILYGO T-Deck Plus. Das alles ist Vibe Coding im besten Sinn, und alles davon läuft nur bei mir. Wenn etwas hakt, weiß ich warum. Wenn ein Knopf komisch beschriftet ist, stört das genau einen Menschen.
Bei RockerMail ist das anders, und das hab ich unterschätzt. Sobald jemand anderer das Programm installiert, gelten andere Regeln. Ich kann nicht sagen „das ist halt so“. Ein fremder Mac hat andere Konten, andere Ordnerstrukturen, andere Mails mit kaputtem HTML. Was bei mir seit Wochen stabil läuft, muss bei dir genauso stabil laufen.
Was das konkret bedeutet: 491 Git-Commits zwischen dem 10. Oktober und heute. Rund 17.600 Zeilen Swift in App und Kernbibliothek und rund 1.900 Zeilen Tests, aufgeteilt auf 144 automatische Tests in 31 Testgruppen. Jeder davon ist nötig, weil ein Fehler beim Verschieben oder Löschen am Ende deine Mails trifft.
Dazu kommen Dinge, die mich bei einem Privatprojekt nie interessiert hätten: Lizenzschlüssel, die mit Ed25519 signiert sind, eine saubere Signatur mit Developer ID, ein Preis, eine Website. RockerMail ist das erste Programm, für das ich Verantwortung gegenüber anderen übernehme. Das fühlt sich anders an, ehrlich gesagt deutlich ernster.
Was kann RockerMail heute?
RockerMail ist eine native Mac-App, gebaut mit Swift und SwiftUI, und läuft ab macOS 26 Tahoe. Microsoft 365 und Exchange Online laufen über Microsoft Graph mit Mail, Kalender, Kontakten und Microsoft To Do. Gmail und Google Workspace bringen Mail, Kalender, Kontakte und Google Tasks mit, iCloud Mail, Kalender, Kontakte und Erinnerungen. Alle anderen Anbieter hängen per IMAP und SMTP dran.
Im Alltag sind das die Funktionen, die ich nicht mehr hergeben würde:
- Ein Posteingang für alle Konten, dazu Favoriten für Ungelesen, Markiert, Zurückgestellt, Entwürfe, Geplant und Gesendet.
- Senden mit 10 Sekunden zum Zurücknehmen, später senden und Mails zurückstellen auf später heute, heute Abend, morgen früh, Wochenende oder nächste Woche.
- Volltextsuche lokal mit SQLite und FTS5, für ältere Mails zusätzlich die Suche am Server.
- Ordner direkt am Server anlegen, umbenennen und löschen, bei IMAP und Microsoft 365. Vor dem Löschen zeigt RockerMail, wie viele Mails im Ordner liegen.
- Einladungen direkt in der Mail beantworten und Kontaktdaten aus Signaturen übernehmen.
Die Startseite „Heute“ zeigt den nächsten Termin, die Termine von heute und morgen, fällige Aufgaben, neue Mails seit dem Morgen und markierte Mails. Bei Online-Besprechungen gibt es einen Knopf „Beitreten“ und eine Erinnerung fünf Minuten vorher. Das Wetter kommt von Open-Meteo, für den Ort des nächsten Termins oder den Wohnort, und der Ort wird dafür auf rund einen Kilometer gerundet.
Mit ⌘K in der App oder ⌃⌥Leertaste systemweit öffnet sich der Schnellstart. Der findet Mails, Kontakte, Termine und Aufgaben und versteht Befehle wie „Aufgabe …“, „Termin …“ oder „Mail an …“.
Beim Aussehen merkt man, dass ich aus der Werbung komme: fünf Farbschemata (Graphit, Nachtblau, Papier, Salbei, Hoher Kontrast) und sieben Farben zum Selbsteinstellen. Eine Kontrastprüfung nach WCAG warnt, wenn Text unter 4,5:1 fällt. Jeder Kalender lässt sich am eigenen Mac umfärben, ohne dass sich am Server etwas ändert. Schrift und Größe der ganzen App gehen von 90 bis 125 Prozent.
Wie viel KI steckt in RockerMail, und wer entscheidet?
Der Mensch entscheidet, und das ist im Code verankert: Senden, Verschieben und Löschen passiert nur, wenn du auf eine Vorschlagskarte klickst. Den KI-Zugriff kannst du pro Konto ein- und ausschalten.
Eine KI, die im Postfach mitliest, muss mit genau dem Angriff rechnen, den ich in meinem Artikel über Indirect Prompt Injection bei KI-Agenten wie OpenClaw beschrieben hab: Jemand versteckt Befehle in einer Mail. In RockerMail gelten Inhalte aus Mails deshalb als Daten, nicht als Anweisung. Ich hab das mit zwölf präparierten Mails getestet, und das lokale Modell hat keinen der eingeschleusten Befehle übernommen. Lokale Entwürfe prüft RockerMail zusätzlich: Stehen darin Kartennummern, Passwörter, Bankdaten oder Links, die nicht im Auftrag standen, kommt eine Warnung.
Für die KI gibt es drei Wege.
Claude über deinen eigenen Zugang. RockerMail nutzt dafür die Claude-CLI, du wählst zwischen Haiku, Sonnet und Opus und setzt ein Kostenlimit pro Chat. Der Assistent sucht im Postfach, fasst zusammen, entwirft Antworten und schlägt vor, was weg kann. Mails, die Claude liest, gehen an Anthropic, und die App sagt dir das im Assistenten auch. Wer will, gibt Claude Desktop und Claude Code über MCP, das Protokoll, das ich in meinem KI-Stack-Artikel erkläre, Zugriff auf RockerMail, über einen lokalen Unix-Socket.
Ollama lokal. Warum ich lokale KI mit Ollama für vertrauliche Mails schätze, hab ich schon ausführlich beschrieben. RockerMail prüft deinen Mac auf Chip, Arbeitsspeicher und freien Platz, installiert Ollama auf Wunsch per Klick und lädt Qwen3.5 4B mit 3,3 GB. Installiert wird nur das offizielle Paket, nach Prüfung von Signatur, Apple-Notarisierung und Team-ID. Verbunden wird ausschließlich mit 127.0.0.1. Auf meinem Entwicklungs-Mac schafft das Modell rund 25 Token pro Sekunde, ein Antwortentwurf ist in zwei bis sieben Sekunden da.
Apples eigenes Modell. Auf Macs mit Apple Intelligence nutzt RockerMail auch Apples On-Device AI.
Dazu gibt es den Schalter „Nur lokale KI“. Der sperrt Claude überall, im Chat, in der Schreibhilfe und beim Zugriff von außen. Auch schon offene Verbindungen werden getrennt, weil jeder Werkzeugaufruf den Schalter prüft. Ehrlich gesagt hat das einen Preis: Suchen und Aufräumen über das ganze Postfach gibt es nur mit Claude. Lokal arbeitet der Chat mit Ollama und der gerade geöffneten Mail.
Warum ich Copilot kritisch sehe, steht in meinem Artikel zum Copilot-Bug in Microsoft 365. Bei RockerMail weißt du, wohin die Daten gehen, und kannst die KI abdrehen.
Wie sicher ist RockerMail?
RockerMail verbindet sich direkt mit Microsoft, Google und Apple. Es gibt keinen eigenen Server dazwischen, auch keinen von mir. Passwörter und Anmelde-Token liegen im Schlüsselbund von macOS.
Die Mailansicht führt kein JavaScript aus. Externe Bilder und Tracking-Pixel bleiben gesperrt, bis du sie pro Mail erlaubst. Geöffnete Anhänge bekommen die Quarantäne-Markierung von macOS, und Programme oder Skripte als Anhang öffnet RockerMail gar nicht. Schreibt jemand mit dem Namen eines bekannten Kontakts, aber von einer fremden Adresse, kommt eine Warnung.
Was fehlt noch?
Die Notarisierung durch Apple steht noch aus, die Testversion ist mit Developer ID signiert. Mails per Ziehen und Ablegen auf Ordner schieben geht noch nicht, das kommt. Die automatische Lizenzzustellung nach der PayPal-Zahlung ist ebenfalls noch nicht gebaut. Auf Intel-Macs ist RockerMail nicht getestet, dort gibt es kein Apple-Modell und Ollama läuft ohne Grafikbeschleunigung. Windows und iPhone sind offen, zuerst kommt der Mac.
Wen suche ich für die Beta?
Jetzt der wichtigste Teil. Ich suche Beta-Tester, die RockerMail ab Dezember im echten Alltag verwenden. Wer mitmacht, arbeitet ein paar Wochen damit und sagt mir, was hakt, was fehlt und was nervt.
Du passt, wenn du einen Mac mit macOS 26 Tahoe hast und mindestens ein Konto bei Microsoft 365, Google oder iCloud verwendest oder ein IMAP-Postfach. Besonders interessieren mich Leute mit mehreren Konten, vielen Ordnern und Mails, die nicht aus dem Lehrbuch kommen. Je chaotischer dein Postfach, desto lieber ist mir das.

So läuft es ab:
- Du trägst dich auf rockermail.app für die Beta ein. Pflicht ist nur deine Mailadresse, dazu kannst du angeben, welche Konten du nutzt.
- Ich lade die Tester nach und nach ein, in der Reihenfolge der Anmeldung.
- Du bekommst einen Beta-Schlüssel, der 30 Tage gilt. In den letzten sieben Tagen gibt es einen Hinweis. Danach sperrt die App, deine Daten bleiben erhalten.
- Du schickst mir Feedback, ich baue nach.
Die ersten fünf Beta-Tester bekommen die fertige Version geschenkt. Alle anderen zahlen danach einmalig 29,95 Euro über PayPal, alle künftigen Updates inklusive, kein Abo. Wer Claude nutzt, zahlt die Nutzung bei Anthropic über den eigenen Zugang, das läuft nicht über mich.
Häufige Fragen zu RockerMail
Ein Postfach, das wieder mir gehört
RockerMail ist für mich eine Mail-App, die macht, was ich brauche, und den Rest weglässt, mit KI, die erst handelt, wenn ich klicke. Bei mir läuft sie bereits jeden Tag. Jetzt will ich wissen, ob sie auch bei dir hält.
Trag dich ein, solange noch Plätze frei sind. Schauen wir mal, wessen Postfach RockerMail als erstes ins Schwitzen bringt.






