Cold Calling 2025 – Menschen mit KI-Assistenz und Null Feingefühl

Darum geht es in diesem Artikel

Ich hab nichts gegen neue Kontakte. Wirklich nicht.
Aber kaum nehme ich auf LinkedIn, Facebook oder X eine Anfrage an, weiß ich schon, was kommt.
Die Nachricht.
Locker im Ton. Floskelfrei getarnt. Und dann – bäm – der Pitch.

„Hey Alex, ich liebe, was du machst!“
„Dein Profil ist super spannend!“
„Ich hab da was, das dich sicher interessiert!“

Ehrlich? Ich wünschte, ich könnte sagen, das schreiben Bots. Aber meistens sind’s Menschen.
Menschen mit zu viel Sales-Training, zu wenig Empathie – und einem ChatGPT-Fenster im Hintergrund.

Das neue Spiel heißt „Persönlich wirken ohne Persönlichkeit“

Früher rief man an und sagte: „Darf ich kurz stören?“
Heute schreibt man: „Hey, wie geht’s dir?“ – und meint: „Ich will dir was verkaufen.“

Diese Nachrichten riechen schon beim ersten Lesen nach „Kaltakquise im Hoodie“.
Manche tippen sogar den Namen falsch – „Hallo Andreas“ – obwohl er fett über meinem Profil steht.
Ich nenne das die menschliche Version von Copy-Paste.

Das Schlimme ist: Diese Leute glauben wirklich, das sei Networking. Sie haben irgendwo gehört, dass man Beziehungen aufbauen muss, bevor man verkauft. Also bauen sie jetzt Beziehungen wie Ikea-Regale: schnell, billig, wackelig.

Wenn Nettigkeit zur Verkaufsstrategie wird

„Ich wollte einfach mal ‚Hallo‘ sagen!“
Aha. Und zufällig hast du ein Angebot im Gepäck, das perfekt zu mir passt.
Wie originell.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt eine wirklich authentische Nachricht bekommen habe.
Die meisten beginnen mit Komplimenten, die klingen wie aus einem Sales-Kochbuch:
„Ich liebe deine Energie!“
„Deine Arbeit inspiriert mich!“
„Wir ticken ähnlich!“

Ja, sicher. Weil du gerade 500 Mal dieselbe Nachricht rausgeschickt hast.

Das ist kein Kontaktaufbau, das ist digitales Fischen mit emotionalem Köder.

Die menschlichen Spam-Maschinen

Viele dieser Nachrichten stammen nicht von Bots, sondern von echten Menschen – die sich benehmen wie welche.
Vertriebler, Coaches, Berater, die denken, LinkedIn sei ein Selbstbedienungsladen.

Sie schreiben nicht, weil sie Interesse haben.
Sie schreiben, weil sie sollen.
Weil irgendein Trainer ihnen erzählt hat, dass man pro Woche 100 neue Kontakte braucht.

Und damit’s schneller geht, hilft natürlich die KI.
Sie liefert die Textbausteine, die pseudo-sympathischen Einstiege, das „Storytelling“ ohne Story.

Aber der Impuls bleibt menschlich.
Gier, Druck, Umsatz.

Der menschliche Spam ist schlimmer als der maschinelle

Weißt du, was den Unterschied macht?
Ein Bot weiß nicht, dass er nervt.
Ein Mensch schon.

Ein Bot hat keine Scham.
Ein Mensch müsste sie haben.

Doch 2025 ist Scham offenbar kein KPI mehr.

Ich hatte letztens jemanden, der mir schrieb:
„Hey Alex, ich hab gesehen, du beschäftigst dich mit KI. Ich helfe Unternehmern, KI endlich richtig zu nutzen.“
Ich antwortete: „Cool, ich auch.“
Er schrieb zurück: „Super! Wollen wir über meine Leistungen sprechen?“

Das ist, als würde ein Friseur einem anderen Friseur einen Haarschnitt anbieten.
Nur teurer.

KI als Alibi für fehlende Haltung

Natürlich spielt KI eine Rolle in diesem Spiel.
Sie ist das Werkzeug, das menschliche Faulheit multipliziert.
Sie macht aus mäßigem Charme noch effizienteren Spam.

Aber das Problem sitzt davor, nicht darin.

Die KI formuliert höflich.
Der Mensch entscheidet, sie zu schicken.

Die KI schlägt „Hey Alex, dein Profil ist spannend!“ vor.
Der Mensch klickt auf „Senden“.
Und glaubt, er hat damit Networking betrieben.

Falsch gedacht.
Das ist wie Tinder mit Skript.

Das Gespräch, das keins ist

Ich hatte neulich einen, der schrieb:
„Ich liebe, was du über KI sagst. Wir sollten uns unbedingt connecten.“
Ich dachte mir, okay – klingt nett, vielleicht ist’s jemand aus der Branche.

Zwei Minuten später kam:
„Ich habe ein exklusives Angebot, das perfekt zu deinem Business passt.“

Exklusiv.
Wie 200 andere.

Ich schrieb: „Hast du dir eigentlich angesehen, was ich mache?“
Antwort: „Natürlich! Und genau deshalb denke ich, dass meine Lösung ideal für dich ist.“

Ich fragte: „Welche Lösung?“
Er: „Lass uns dazu kurz telefonieren.“
Ich: „Lass uns dazu nie telefonieren.“

Warum das alles kontraproduktiv ist

Menschen hassen es, manipuliert zu werden. Und genau das ist dieser ganze digitale Smalltalk-Spam: Manipulation mit freundlichem Smiley.

Wer so auftritt, verliert nicht nur potenzielle Kunden, sondern auch Glaubwürdigkeit.
Denn wenn die erste Nachricht schon unehrlich ist, warum sollte ich dir später glauben, dass dein Produkt ehrlich ist?

Echte Verbindungen entstehen durch Interesse, nicht durch Taktik. Ein ehrliches „Ich find dein Thema spannend“ reicht völlig – solange du’s wirklich meinst.

Der bessere Weg

Wenn du mir schreiben willst, tu es wie ein Mensch.
Nicht wie ein Algorithmus mit Emotionstraining.

Sag mir, was du machst.
Frag, was mich interessiert.
Und lass das Wort „skalieren“ bitte im Schrank.

Wenn’s wirklich passt, entsteht sowieso ein Gespräch.
Ganz ohne KI, Funnel oder Vertriebsstrategie.
Nur mit Neugier.

Warum ich das schreibe

Weil ich will, dass soziale Netzwerke wieder sozial werden.
Nicht automatisiert, nicht getaktet, nicht durchoptimiert.

Ich habe nichts gegen KI. Ich liebe sie.
Aber ich habe etwas gegen Menschen, die ihre Menschlichkeit hinter ihr verstecken.

Wenn du ein gutes Produkt hast, red drüber.
Wenn du jemandem helfen willst, sag es ehrlich.
Aber hör auf, es in „Hey, wie geht’s dir?“ zu verpacken.

Ich merke das. Sofort.
Und es macht dich unglaubwürdig.

Der Aufruf an alle „Networker“ da draußen

LinkedIn, Facebook, X – das sind keine Verkaufsmessen. Das sind Orte, an denen Menschen sich verbinden, inspirieren, austauschen. Zumindest sollten sie es sein.

Also, liebe Cold-Caller, liebe Business-Coaches, liebe KI-Vertriebler:
Lasst es einfach.
Hört auf, so zu tun, als wolltet ihr plaudern, wenn ihr eigentlich nur pitchen wollt.

Wenn ihr mir schreibt, dann schreibt mir, weil ihr wirklich reden wollt.
Nicht, weil euer CRM-Tool „Lead-Potential erkannt“ anzeigt.

Echte Gespräche funktionieren immer noch am besten – von Mensch zu Mensch.
Und dafür braucht’s kein Skript. Nur ein bisschen Respekt.

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