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Gen Z bremst bei KI: Warum die Digital Natives die skeptischste Generation am Arbeitsmarkt sind

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Mein jüngerer Sohn studiert Web and Mobile Development an der FH Salzburg. Er ist 19, aufgewachsen mit Smartphone und TikTok, schreibt täglich Code. Und er ist klar positioniert: Echtes Coding ist ihm deutlich wichtiger als KI-Assistenz. Mein älterer Sohn, 23, arbeitet in der Tech-Branche, Store Manager in Salzburg, täglich mit Technologie unterwegs. Auch er hält von KI wenig.

Ich sage das nicht, um meine Familie vorzuführen. Ich sage es, weil mir diese beiden Haltungen in meiner täglichen Beratungsarbeit ständig begegnen, nur eben von anderen Söhnen und Töchtern anderer Eltern. Und weil ich lange gedacht habe: Das ist eine Phase. Die kommen schon noch.

Inzwischen bin ich nicht mehr so sicher.

Als Generative-KI-Berater für EPU und KMU im DACH-Raum beobachte ich, wie sich Einstellungen zu KI-Tools verschieben, und was ich 2026 sehe, ist eindeutig: Die Skepsis bei jungen Beschäftigten ist keine Phase. Sie ist strukturell.

Warum dreht sich das Bild bei der jüngsten Generation gerade um?

Das Klischee war lange klar aufgeteilt: Die Älteren zögern, die Jüngeren preschen vor. Bei KI am Arbeitsplatz gilt das nicht mehr. Die Begeisterung der Generation Z für KI ist zwischen 2025 und 2026 drastisch von 36 auf 22 Prozent eingebrochen, während die Wut auf die Technologie auf 31 Prozent anstieg.

Das ist kein Zufall. Und es ist auch keine Technologiefeindlichkeit.

Zach Hrynowski, Bildungsforscher bei Gallup, bestätigt den Trend: Gen-Z-Angehörige sind zunehmend skeptisch geworden, ausgehend von einem Ausgangspunkt, an dem sie ohnehin nicht besonders positiv eingestellt waren. Und Gallup hat dafür Zahlen: Fast die Hälfte der jungen Erwachsenen in der Arbeitswelt, nämlich 48 Prozent, sagen, die Risiken von KI für die Arbeit überwiegen den Nutzen, ein Anstieg gegenüber 37 Prozent im Vorjahr. Weniger als drei von zehn Gen-Z-Beschäftigten vertrauen KI-gestützter Arbeit, und so gut wie niemand vertraut Arbeit, die ausschließlich von KI erledigt wurde.

Aber das ist nur die eine Seite.

Ist das Widerstand? Oder ist das Vernunft?

Hier wird es interessant. Denn die Skepsis ist nicht irrational. Sie hat eine konkrete wirtschaftliche Grundlage.

Eine Studie der Stanford University zeigt erstmals konkret, wie stark generative KI den Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger verändert: Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 ist die Zahl der jungen Beschäftigten zwischen 22 und 25 Jahren in KI-exponierten Berufen um 13 Prozent zurückgegangen, besonders dort, wo klassische Junioraufgaben wie Standardprogrammierung, einfache Textbearbeitung oder Supportanfragen dominieren. Die zentrale Erkenntnis der Stanford-Forscher: Wo KI ersetzt, verschwinden Einstiegsjobs.

Das trifft junge Menschen direkt in ihrem Lebensabschnitt. Laut einer exklusiven Analyse der Jobplattform Stepstone ist der Anteil an Stellenanzeigen für Berufseinsteiger in Deutschland auf ein Rekordtief gefallen: Im ersten Quartal 2025 lag er 45 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung. Besonders betroffen sind IT, Unternehmensberatung, Rechtswesen und Kreativbranchen.

Wenn man das weiß, hört sich die Skepsis meiner Söhne plötzlich weniger wie Trotz an. Und mehr wie eine rationale Lageeinschätzung.

Junge Menschen sehen eine Kluft zwischen dem Optimismus der Tech-Industrie und ihrer eigenen beruflichen Realität: Layoffs und veränderte Einstellungspraktiken lassen die Versprechen der Branche hohl klingen.

Das Paradox: Gleichzeitig zu abhängig und zu skeptisch

Und jetzt kommt der Teil, der die meisten überrascht.

Diese Generation ist nicht einfach KI-ablehnend. Sie ist beides gleichzeitig: skeptisch und abhängig. Der „2026 Pulse of Work Report“, eine Befragung von 2.500 Knowledge Workers und IT-Managern, ergab, dass Gen-Z-Beschäftigte die Technologie besonders häufig wie eine Krücke nutzen: 62 Prozent gaben das offen zu. Und 40 Prozent sagen, sie kämen ohne KI-Tools nicht mehr durch den Arbeitstag.

Das klingt widersprüchlich, ist es aber nicht.

Wer täglich mit einem Tool arbeitet, das er nicht versteht und dem er nicht vertraut, der entwickelt keine Begeisterung dafür. Er entwickelt Abhängigkeit. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Ein weiterer Befund aus einer Studie des KI-Unternehmens Writer: 44 Prozent der Gen-Z-Beschäftigten sabotieren aktiv den KI-Rollout ihres Unternehmens. Das reicht von der Nutzung nicht genehmigter Tools bis zur bewussten Erzeugung von Low-Output-Arbeit, um KI weniger effektiv erscheinen zu lassen.

Ich arbeite täglich mit Claude und Gemini, ich kenne den Effizienzgewinn aus eigener Praxis. Aber ich verstehe auch, warum ein 23-jähriger Berufseinsteiger in der Tech-Branche das anders sieht, wenn er gleichzeitig beobachtet, dass Junior-Rollen in seinem Umfeld wegfallen.

Was das MIT im Gehirn gesehen hat

Es gibt noch eine Dimension, die in dieser Debatte selten erwähnt wird. Und die ist unangenehm, auch für jemanden wie mich.

Wissenschaftler des MIT Media Lab haben in ihrer Studie „Your Brain on ChatGPT“ mit EEG-Messungen belegt, dass Probanden, die beim Schreiben ChatGPT verwendeten, die schwächste neuronale Vernetzung zeigten. Die Forscher sprechen von einer kognitiven Verzerrung, die durch zu häufige KI-Nutzung entstehe.

Die kognitive Belastung, die das Gehirn zum echten Lernen und Denken braucht, sinkt bei KI-Nutzung um 32 Prozent. Noch dramatischer: 83,3 Prozent der ChatGPT-Nutzer konnten sich nicht an Texte erinnern, die sie Minuten zuvor mit KI-Hilfe verfasst hatten.

Ich schreibe das mit der nötigen Vorsicht, denn: Die Studie war zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung im Juni 2025 noch nicht peer-reviewed, und die Forscher selbst empfehlen, die Schlussfolgerungen als vorläufig zu behandeln. Trotzdem: Die Grundrichtung ist klar genug, um sie ernst zu nehmen.

Mein Sohn, der echtes Coding wichtiger findet als KI-Assistenz, liegt damit näher an der Forschung als am Hype. Das Handwerk zuerst zu lernen, bevor man es automatisiert, ist keine rückständige Haltung. Das ist Kompetenzaufbau.

Welche Lehre ich daraus ziehe, auch für meine eigene Beratungsarbeit

Laut einer Umfrage glauben 69 Prozent der befragten HR-Verantwortlichen, KI könne die Arbeit von Absolventen übernehmen, und 57 Prozent vertrauen KI-Systemen mittlerweile mehr als Berufseinsteigern oder Praktikanten. Das ist ein Satz, den ich mir zweimal durchgelesen habe.

Denn wenn Unternehmen Junior-Rollen abbauen, um mit KI zu skalieren, lösen sie kurzfristig ein Kostenproblem und schaffen langfristig ein Nachwuchsproblem. Ohne Einstiegspositionen fehlt der Weg, auf dem Junioren zu den Senior-Experten von morgen werden. HR-Verantwortliche stehen vor dem Paradox: Kurzfristige Effizienzgewinne sind klar, aber die langfristige Talentpipeline wird durchtrennt.

Gleichzeitig sehe ich in meiner Beratung regelmäßig das andere Extrem: EPU und kleine KMU, die KI-Tools einführen, ohne den Prozess darunter zu verstehen. KI auf einen kaputten Prozess zu setzen macht den Prozess nicht besser, nur schneller kaputt.

Die Skepsis der Gen Z hat also in manchen Fällen mehr Realitätssinn als die Begeisterung ihrer Vorgesetzten.

Was wäre denn eine sinnvolle Haltung?

Ich bin KI-Berater und ich sage: Das Handwerk zuerst. Wer Prompts schreibt, ohne das Thema dahinter zu verstehen, produziert zuverlässig mittelmäßige Outputs. Wer Code generiert, ohne coding zu können, merkt nicht, wenn der Output falsch ist.

Mein jüngerer Sohn, der an der FH echtes Coding lernt, bevor er KI-Assistenz nutzt, macht das richtig. Nicht weil KI schlecht ist, sondern weil er später deutlich besser beurteilen kann, was ein KI-generierter Code taugt und was nicht.

GoTo-CEO Rich Veldran sagte zu Fortune, eine Überabhängigkeit von KI stelle gerade für jüngere Beschäftigte ein ernstes Dilemma dar, weil sie dadurch weniger Gelegenheit haben, das Handwerk von Grund auf zu lernen.

Dem stimme ich zu. Nicht als Argument gegen KI. Sondern als Argument für Reihenfolge.

Und was bedeutet das für EPU und KMU im DACH-Raum?

Wenn du ein kleines Unternehmen führst und junge Mitarbeiter oder Azubis hast, die KI skeptisch gegenüberstehen: Das ist kein Problem, das du wegdiskutieren solltest.

Das ist ein Signal.

Fast die Hälfte der befragten Arbeitnehmenden glaubt, KI werde eher Unternehmen nützen als der Belegschaft. Randstad-CEO Sander van’t Noordende bringt es auf den Punkt: Beschäftigte sind enthusiastisch gegenüber KI, aber auch skeptisch, weil Unternehmen wollen, was sie immer wollen: Kosten senken und Effizienz steigern.

Wenn du KI in deinem Betrieb einführst und die Jungen bremsen, ist die erste Frage nicht: Wie überzeuge ich sie? Die erste Frage ist: Was befürchten sie konkret? Und ist das berechtigt?

Meistens ist es das.

Der Unterschied zwischen erfolgreicher und gescheiterter KI-Einführung in kleinen Teams liegt selten an der Technologie. Er liegt an der Frage, ob die Menschen verstehen, wie sich ihre eigene Rolle verändert. Nicht ob sie wegfällt, sondern wie sie sich entwickelt.

Das klingt nach Change Management. Und das ist es auch. Nur dass es hier schneller geht als bei früheren Technologieschüben, und die Fallhöhe für Vertrauen höher ist.

Meine Söhne werden KI früher oder später intensiver nutzen. Der Jüngere, weil die Tools in der Praxis besser werden. Und weil er als Entwickler mit solidem Handwerk wissen wird, wie er KI richtig einsetzt. Aber das ist ihr Tempo und ihr Weg.

Das Schlimmste, was ich tun könnte, wäre ihnen zu sagen: Ihr versteht das nicht. Macht das jetzt.

Das Klügste ist: Zeigen, wie es geht. Mit Respekt vor dem Handwerk, das sie gerade aufbauen.

Und genau das gilt auch im Unternehmenskontext.

Weiterführende Quellen und Studien:

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Alex Januschewsky – Zertifizierter KI-Beauftragter und Werbefachmann
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky ist Werbefachmann, zertifizierter KI-Beauftragter (ISO 42001, EU AI Act-Konformität) und Microsoft MVP Alumni. Seit 1989 in Werbung und Design aktiv, spezialisiert auf den professionellen Einsatz von Generativer KI: kreativ, strategisch, praxisnah. Seit über 30 Jahren entwickle ich Kommunikation, die nicht auf Hype setzt, sondern auf echte Wirkung. Klar, klug und mit einem tiefen Verständnis für Technologie und Sprache. In diesem Blog teile ich Ideen, Impulse und erprobtes Wissen für Unternehmer, Entscheider und KI-Enthusiasten, die mehr wollen als Schlagwörter und bunte Versprechen.

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Alex Januschewsky, Prompt Rocker, wohnhaft in Salzburg, tätig in Österreich
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