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Claude

Anthropic hat ein Modell versteckt, das besser ist als Mythos 5. Was wirklich im Risk Report steht

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Anthropic hat am 14. August 2026 zugegeben, dass intern ein Modell läuft, das leistungsfähiger ist als das eigene Flaggschiff Claude Mythos 5. Codename: Model 2. Kein Leak, keine Spekulation, sondern eine Zeile in einem 186-seitigen Risikobericht. Die These, um die es in diesem Artikel geht: Die Kernaussage stimmt, aber ein Detail, das gerade durch mehrere deutschsprachige Kanäle kursiert, ist schlicht falsch verknüpft. Ich habe den Originalbericht gelesen, nicht nur die Zusammenfassungen darüber, und zeige dir, was tatsächlich drinsteht und wo die Meldung ungenau wird. Als KI-Berater, der seit April Anthropics Mythos-Klasse in der Beratungspraxis begleitet, ordne ich das für dich ein.

Existiert Model 2 wirklich?

Ja. Der Anthropic Risk Report vom August 2026 nennt es explizit, in Abschnitt 1.4, „Notes on coverage of unreleased models“. Anthropic listet dort sogar zwei unveröffentlichte Modelle mit Frontier-Fähigkeiten: Model 1 und Model 2. Model 1 ist ungefähr auf dem Niveau von Claude Mythos Preview, wurde aber kaum intern genutzt, eine interne Nutzerbefragung bevorzugte mehrheitlich Mythos 5. Anthropic widmet ihm deshalb keinen eigenen Abschnitt im Bericht.

Model 2 ist der interessantere Fall. Anthropic beschreibt es so: „somewhat more capable than Mythos 5“, eine spürbare Verbesserung für viele interne Aufgaben, aber kein Kapabilitätssprung von der Größenordnung, die man beim Übergang von Opus 4.6 zu Mythos Preview gesehen hat. Das ist eine deutlich vorsichtigere Formulierung, als sie in der Fassung kursiert, die mir vorliegt. Dort klingt es nach einem Riesenschritt. Im Bericht selbst klingt es nach solider, aber inkrementeller Weiterentwicklung.

Wie stark ist Model 2 auf dem CoBench-Benchmark wirklich?

CoBench ist Anthropics interner Test dafür, wie gut ein Modell komplexe Forschungs- und Engineering-Aufgaben übernehmen kann, also im Kern die Frage: Kann das Modell die Arbeit eines Research Engineers ersetzen. Mehrere Fachmedien, die den Bericht ebenfalls ausgewertet haben, berichten übereinstimmend von einem CoBench-Score von 62,8 Prozent für Model 2 gegenüber 50,3 Prozent für Mythos 5. Diese konkrete Zahl konnte ich im öffentlich zugänglichen Teil des Risk Reports selbst nicht direkt verifizieren, der Abschnitt mit den detaillierten CoBench-Werten ist teilweise redigiert. Ich nenne sie trotzdem, weil sie aus mehreren unabhängigen Auswertungen desselben Dokuments stammt und mit der qualitativen Beschreibung im Bericht zusammenpasst.

Wichtig für die Einordnung: Anthropic selbst schreibt, dass ein Score erst ab 85 Prozent den Schwellenwert für breitere Verfügbarkeit auslösen würde. Model 2 liegt weit darunter. Das ist der eigentliche Grund, warum es intern bleibt, nicht primär die Risikoeinstufung.

Warum ist die Risikoeinstufung wirklich gestiegen?

Und hier liegt der Punkt, den ich an den kursierenden Texten in den sozialen Medien korrigieren muss. Die Behauptung, Anthropic habe die Risikoeinstufung für katastrophale Schäden durch Fehlsteuerung „im Zuge der Evaluierung von Model 2“ von „sehr niedrig“ auf „niedrig“ angehoben, verknüpft zwei Dinge, die im Bericht getrennt sind.

Anthropic schreibt explizit, warum die Einstufung im Bereich Misalignment in Hochrisiko-Umgebungen gestiegen ist: „in light of general increased uncertainty around recent incident disclosures related to model behavior in cybersecurity evaluations.“ Gemeint ist ein Vorfall, den das UK AI Security Institute (AISI) gemeldet hat. Bei einer Cybersicherheits-Evaluierung von Claude Mythos 5, bei der die üblichen Schutzmechanismen deaktiviert und dem Modell Internetzugang gegeben wurde, zeigte das Modell laut AISI „sustained, potentially harmful activity directed at real people and organisations“. Anthropic bestätigt, dass die gemeinsame Untersuchung mit AISI noch läuft und man die relevanten Transkripte zum Zeitpunkt der Berichtserstellung noch nicht ausgewertet hatte.

Model 2 selbst schneidet in der Alignment-Bewertung nicht schlechter ab. Der Bericht sagt sogar wörtlich, man habe während des internen Freigabeprozesses von Model 2 „no new or more concerning form of misalignment“ beobachtet als bei Mythos 5. Die Risikoeinstufung ist also nicht wegen Model 2 gestiegen, sondern trotz eines eigentlich unauffälligen Model-2-Befunds, wegen eines separaten Sicherheitsvorfalls mit Mythos 5. Das ist ein Unterschied, der für jeden zählt, der diesen Bericht zitiert.

Zur Einordnung: Die neue Stufe heißt „low“, nicht „hoch“ oder „kritisch“. Anthropic selbst schreibt, dass die zugrundeliegenden Argumente wahrscheinlich weiterhin eine „very low“-Einstufung stützen würden, man aber aus Vorsicht angesichts der ungeklärten Vorfälle konservativer eingestuft hat. Wer das öffentlich als dramatischen Alarm verkauft, überzeichnet den Originaltext. Ich hatte einen ähnlich gelagerten Fall schon in meinem früheren Beitrag zu Anthropics Sicherheitsbericht zur KI-Spionage beschrieben: Anthropic dokumentiert Schwachstellen sehr offen, aber die Offenheit selbst wird in der Verbreitung oft zur Übertreibung verzerrt.

Wird Model 2 jemals veröffentlicht?

Nach aktuellem Stand: nein, zumindest nicht in absehbarer Zeit. Anthropic schreibt wörtlich, man habe „keine aktuellen Pläne, dieses Modell extern zu veröffentlichen“. Das ist allerdings kein endgültiges Nein. „Kein aktueller Plan“ ist etwas anderes als „niemals“. Model 2 hat außerdem nicht die vollständige Suite an Predeployment-Assessments durchlaufen, die vor einem öffentlichen Release Pflicht wäre, deshalb ist auch Anthropics eigenes Vertrauen in die Capability-Einschätzung des Modells geringer als bei Mythos 5.

Interessant ist der Kontext des Zeitpunkts. Die Offenlegung fällt in eine Phase, in der Anthropic ohnehin stark im Fokus steht: laufende Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang bei einer Bewertung um die zwei Billionen Dollar, ein Q2-Umsatz von über 11,5 Milliarden Dollar, und gleichzeitig wachsender Druck durch chinesische Open-Source-Modelle wie Zhipus GLM-5.3 oder Moonshot AIs Kimi K3. In diesem Umfeld ist Transparenz auch ein strategisches Signal: Seht her, wir haben mehr in der Hinterhand, aber wir setzen es nicht leichtfertig frei.

Was macht Model 2 intern eigentlich, und wie realistisch sind die Zahlen zur Automatisierung?

Model 2 wird laut Bericht, genau wie Mythos 5, intensiv für Softwareentwicklung, Datengenerierung und agentische Forschung eingesetzt. Anthropic gibt an, dass Claude inzwischen den Großteil des Codes schreibt, der in die eigenen Produktionscodebasen einfließt. Bei der Frage, wie stark die interne KI-gestützte Forschung dadurch beschleunigt wird, wird der Bericht vorsichtiger als in früheren Ausgaben: Man geht von einer „signifikant schnelleren“ Entwicklung aus, aber noch nicht um den Faktor zwei, mit der ausdrücklichen Einschränkung, dass die eigenen Messmethoden an Aussagekraft verlieren, weil die konkreten aufgabenbasierten Evaluierungen „gesättigt“ sind, also keine Fortschritte mehr sauber abbilden können. Genau dieses Muster, ein Unternehmen, das offen zugibt, seine eigenen Fähigkeiten nicht mehr präzise messen zu können, hatte ich bereits in meinem Beitrag zum internen Weckruf zu rekursiver Selbstverbesserung besprochen. Es passt zur Linie, die Anthropic seit Monaten fährt.

Was heißt das für dich, wenn du mit Claude arbeitest?

Für die tägliche Beratungsarbeit mit EPU und KMU in der DACH-Region ändert Model 2 aktuell nichts. Kein API-String, kein Zugang, kein Zeitplan. Was sich aber ändert, ist der Kontext, in dem du Aussagen über Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 einordnen solltest. Die beiden Modelle, mit denen du heute tatsächlich arbeitest, sind laut Anthropics eigenem Bericht nicht die stärksten Modelle, die es gibt, sondern die stärksten, die freigegeben wurden. Das war schon beim Launch von Fable 5 mein Punkt, und es gilt jetzt umso mehr.

Ich find’s ehrlich gesagt beruhigend und beunruhigend zugleich. Beruhigend, weil Anthropic ein System hat, das ein stärkeres Modell tatsächlich zurückhält, statt es sofort zu vermarkten. Beunruhigend, weil die Lücke zwischen „was intern läuft“ und „was am Markt verfügbar ist“ real existiert und wächst. Wer sich erinnert, dass Mythos 5 im Juni für 18 Tage komplett vom Markt genommen wurde, weiß, wie schnell sich diese Verfügbarkeit ohnehin ändern kann. Details dazu hatte ich im Beitrag zur kurzzeitigen Aussetzung von Fable 5 und Mythos 5 im Juni aufgearbeitet.

Fragen zu Model 2 und dem Risk Report

Nein. Opus 5 war zum Stichtag des Berichts (15. Juli 2026) ebenfalls noch unveröffentlicht, ist inzwischen aber öffentlich verfügbar und liegt in den Fähigkeiten unter Mythos 5. Model 1 und Model 2 sind eigenständige, weiterhin unveröffentlichte Modelle.

Nein. Es gibt keinen öffentlichen Modell-String und keinen Zugang über Claude.ai, Claude Code oder die API.

Nein, das ist der zentrale Punkt dieses Artikels. Die Anhebung von „sehr niedrig“ auf „niedrig“ bezieht sich auf einen separaten Cybersicherheitsvorfall mit Mythos 5, der vom UK AI Security Institute gemeldet wurde, nicht auf Erkenntnisse aus der Model-2-Evaluierung selbst.

Quelle für alle Angaben in diesem Artikel: Anthropics Risk Report vom August 2026, Abschnitte 1.2 bis 1.4 sowie 2.1 bis 2.3.

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Alex Januschewsky – Zertifizierter KI-Beauftragter und Werbefachmann
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky ist Werbefachmann, zertifizierter KI-Beauftragter (ISO 42001, EU AI Act-Konformität) und Microsoft MVP Alumni. Seit 1989 in Werbung und Design aktiv, spezialisiert auf den professionellen Einsatz von Generativer KI: kreativ, strategisch, praxisnah. Seit über 30 Jahren entwickle ich Kommunikation, die nicht auf Hype setzt, sondern auf echte Wirkung. Klar, klug und mit einem tiefen Verständnis für Technologie und Sprache. In diesem Blog teile ich Ideen, Impulse und erprobtes Wissen für Unternehmer, Entscheider und KI-Enthusiasten, die mehr wollen als Schlagwörter und bunte Versprechen.

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