Mittwoch, 14:13 Uhr. Auf meinem Zweitmonitor steht in Orange: Hetzner meldet eine Routerstörung, und im Home Assistant ist die Steckdose von Robbie, meinem Rasenmäher, offline. Ich hab davon nichts gemerkt, bis ich hingeschaut hab. Genau dafür hab ich den Bildschirm gebaut.

Meine These: Wer sich mit Vibe Coding ein Werkzeug selbst baut, löst ein Problem, das kein Hersteller kennt, weil es nur an seinem Schreibtisch existiert. Ich arbeite seit 1989 in der Kommunikationsbranche und berate EPU und KMU zu KI. In diesem Artikel zeige ich dir, wie mein Statusmonitor entstanden ist, wo es gehakt hat und wie du dein eigenes Projekt angehst. Schauen wir zuerst das Problem an.
- Vibe Coding
- Du beschreibst einer KI in normaler Sprache, was du brauchst, und prüfst das Ergebnis. Den Code schreibt die KI, die Idee und die Qualitätskontrolle kommen von dir.
- Claude Code
- Die Variante von Claude, die als Coding Agent auf deinem Rechner Dateien liest, Code schreibt, Programme startet und Tests laufen lässt.
- Electron
- Ein Framework, mit dem sich Webseiten als richtige Windows- oder Mac-Programme verpacken lassen.
Was nervt mich an Störungen, die ich erst beim Brauchen bemerke?
Ein n8n-Workflow läuft nicht durch. Eine Website ist down. Ein Sprachmodell streikt gerade. Einer meiner Hoster hat ein Problem. Im Home Assistant macht eine Steckdose nicht mit. Die PV-Anlage daheim liefert 0 Watt, obwohl die Sonne scheint. Das alles fällt mir erst auf, wenn ich genau das brauche, was gerade nicht geht. Willkommen in der Kategorie „Dinge, die mich nerven“.
Dazu kommt die Menge. Bei mir laufen 17 aktive n8n-Workflows, sieben Websites, sechs KI-Dienste, drei Hoster und 28 Geräte im Home Assistant. Jedes System hat seine eigene Statusseite oder sein eigenes Dashboard. Alle paar Minuten durch ein Dutzend Tabs klicken macht kein Mensch, und ich auch nicht.
Ein fertiges Dashboard zeigt dir, was der Hersteller für wichtig hält. Mein Monitor zeigt mir, ob gerade ein Workflow, ein Hoster oder die Steckdose meines Rasenmähers ausfällt.
Fertige Lösungen gibt es durchaus. Aber keine kennt meine Kombination: n8n auf einem eigenen Server, ein Balkonkraftwerk im Home Assistant, Hosting bei drei Anbietern. Also hab ich einen schmalen 10,3-Zoll-Bildschirm mit 1920 mal 720 Pixeln neben die Tastatur gestellt und Claude Code eine Windows-App dafür bauen lassen. Sie läuft seit Ende September. Er ist eines von sechs Werkzeugen auf meinem Schreibtisch, die du nicht kaufen kannst.
Was zeigt der Statusmonitor auf einen Blick?
Oben läuft eine Leiste mit CPU, RAM und Festplatte C:, darunter ein Streifen mit der Zahl der aktuellen Probleme, darunter acht Kacheln. Jede Kachel ist ein Ring mit einer Zahl in der Mitte und einem Satz daneben.
- n8n: Der letzte Fehler je aktivem Workflow, mit Node, Meldung, Uhrzeit und Link zur Execution. Nach einem Erfolg verschwindet er von selbst.
- Websites: HTTP-Status, Antwortzeit als Live-Diagramm und die Verfügbarkeit der letzten sieben Tage.
- KI-Dienste: Claude, ChatGPT, Gemini, Perplexity, Midjourney und Higgsfield, jeweils mit einer EKG-Linie. Ein Klick öffnet die Statusseite.
- Hosting: Mittwald, easyname und Hetzner.
- Home Assistant: Eine Positivliste mit Lichtern, Steckdosen, dem Rasenmäher und der PV-Anlage.
Orange heißt Warnung, Grün heißt ruhig. Kommt ein neues Problem, schickt Windows eine Benachrichtigung. Ist es behoben, kommt die nächste. Auch das Tray-Icon bekommt einen farbigen Punkt, den du sogar bei geschlossenem Fenster siehst. Wie das Icon im Infobereich von Windows technisch funktioniert, steht in der Electron-Dokumentation zum Tray-Menü.
Die PV-Kachel hat eine eigene Regel. Der Ring bezieht sich auf 800 Watt: bis 200 Watt rot, bis 500 orange, darüber grün. Sie ist reine Anzeige ohne Alarm, weil wenig Leistung im Herbst normal sein kann. Manche Wechselrichter-Sensoren melden nachts „nicht verfügbar“, deshalb darf ich einzelne Geräte mit einer Tilde nur tagsüber überwachen lassen. Ein Detail, das nur mein Aufbau braucht.
Wie hat Claude Code den Monitor gebaut?
Der Stack ist unspektakulär: Electron, kein Framework, kein Build-Schritt, eine HTML-Seite plus Vanilla-JavaScript. Die Prüfungen laufen im Hauptprozess, die Oberfläche bekommt den Zustand per IPC. Verlauf, Einstellungen und Fensterposition liegen in drei kleinen Dateien im Windows-Benutzerordner. Mein Teil war das Entscheiden: Was wird überwacht, wie sieht ein Problem aus, was darf nie passieren. Claude Code hat gebaut, getestet und Fehler gesucht. Beim Strom-Dashboard lief es genauso: Ich beschreibe, was ich will, Claude Code übernimmt die Implementierung, ich kontrolliere das Ergebnis. Auch das Prinzip kenne ich schon von meiner BUSY Bar, einer Statusleiste, die Energie, Temperaturen und Termine aus Home Assistant anzeigt.
Den Teil, den viele beim Vibe Coding überspringen, hab ich ernst genommen: Tests. Ein Skript prüft den Monitor mit 53 Assertions gegen Mock-Server für n8n, Websites und Home Assistant, dazu nachgebautes HTML der Hosting-Statusseiten. Wenn ich nachts etwas ändere, weiß ich am nächsten Morgen in Sekunden, ob ich etwas kaputt gemacht hab.
Noch ein Punkt, der mir wichtig war: Der Monitor läuft auf meinem PC, meine Server laufen woanders. Ein Wächter sollte nicht in dem System sitzen, das er bewacht. Das hab ich im Artikel über Claude Code und den /loop-Befehl schon beschrieben, und hier gilt es wieder.
Wo hat es beim Vibe Coding gehakt?
Das ist der Punkt, an dem es interessant wird, denn die Fehler waren die lehrreichen Stellen.
Behobene Fehler blieben stehen. Meine erste n8n-Abfrage holte global die letzten 100 Ausführungen. Bei vielen Läufen fiel der erfolgreiche Lauf aus diesem Fenster, und der Monitor meldete einen längst behobenen Fehler weiter. Jetzt fragt er je aktivem Workflow den letzten Fehler und den letzten Erfolg ab.
Keine falsche Entwarnung. Ist eine Statusseite oder n8n nicht erreichbar, gilt ein Problem nicht als behoben. Das klingt banal. Es ist genau der Fehler, der ein Monitoring wertlos macht, weil du dich auf ein grünes Licht verlässt, das nur grün ist, weil es nichts mehr sieht.
Keine Status-API bei den Hostern. Keiner der drei Anbieter bietet eine einfache Schnittstelle. Bei Mittwald lieferte die Statuspal-API einen 404, bei easyname gaben die Feeds von Hund.io einen 406 zurück, und der Atom-Feed von Hetzner kennt kein Feld für „behoben“. Also liest der Monitor das HTML der Statusseiten. Erkennt er die Struktur nicht, zeigt er „Statusseite nicht lesbar“ statt eines Fehlalarms. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie lange das hält: Ändert ein Anbieter sein Layout, muss ich nachbessern.
Midjourney. Die Statuspage-Adresse liefert zwar JSON, wird aber nicht mehr gepflegt. Die richtigen Daten laden sich aus einer Datei in Google Cloud Storage, die die offizielle Statusseite verwendet.
Zu klein auf dem kleinen Bildschirm. Bei rund 199 PPI und Windows auf 100 Prozent war alles winzig. Nur ein App-Zoom von 150 Prozent vergrößert Schrift, Ringe und Abstände gleichmäßig. Dasselbe Spiel beim Touchscreen: Windows muss ihn einmalig dem richtigen Bildschirm zuordnen, sonst landen deine Berührungen auf dem Hauptmonitor. Und ein Fallstrick, den ich ehrlicherweise noch nicht gelöst hab: Der API-Key für n8n und das Token für Home Assistant liegen unverschlüsselt in einer Konfigurationsdatei. Für ein Werkzeug, das nur ich nutze, vertretbar, auf der Liste steht es trotzdem. Wenn du ähnlich baust: Zugangsdaten verschlüsseln, und für Home Assistant einen eigenen Benutzer mit Leserechten anlegen, keinen Admin.
Wie startest du dein eigenes Vibe-Coding-Projekt?
Du brauchst keinen Zweitmonitor und keine Hoster-Liste wie meine. Du brauchst eine Liste mit dem, was dich nervt, und ein paar Abende.
- Schreib auf, was dich in den letzten vier Wochen genervt hat, weil du es zu spät bemerkt hast.
- Such pro Punkt die Datenquelle: eine Statusseite, eine API, einen Sensor, eine Logdatei.
- Beschreib Claude Code, was du sehen willst und was passieren soll, wenn etwas nicht stimmt. Sag auch, was nie passieren darf, zum Beispiel falsche Entwarnungen.
- Lass Tests schreiben, mit nachgebauten Antworten der Dienste, bevor du dich auf das Ding verlässt.
- Betreib es eine Woche und streich alles, was dich im Alltag stört.
Die erste Version eines Werkzeugs kostet mich einen Abend, manchmal ein Wochenende. Danach läuft es wie bei allen meinen Projekten: Du findest im Alltag die Stellen, die nerven, und beschreibst die Korrektur.

Häufige Fragen
Du kannst warten, bis ein Hersteller dein Problem entdeckt. Oder du schreibst heute Abend die drei Dinge auf, die dich zuletzt am meisten genervt haben, und beschreibst das erste davon Claude Code.






